Magdeburg l Die Debatte um ein neues Gymnasium in Magdeburg reißt nicht ab. Wie die Volksstimme aus dem Finanzministerium Sachsen-Anhalt erfahren hat, sei völlig offen, ob eine Sanierung des Standortes Lorenzweg überhaupt förderfähig ist. "Wir führen derzeit Gespräche mit dem Oberbürgermeister", so Staatssekretär Jörg Felgner auf Nachfrage.

Konkret geht es um das Förderprogramm "Stark III" für Kita- und Schulsanierungen. Im Finanzministerium gilt der Lorenzweg als kniffliger Fall. Denn bisher ist in dem alten Berufsschulkomplex mit drei Gebäuden (DDR-Typ "Erfurt") kein Gymnasium untergebracht. Für lupenreine Stark-III-Förderung müsste aber genau das der Fall sein. So ist völlig offen, ob die Stadt für die Sanierung überhaupt jemals Geld aus irgendwelchen Fördertöpfen sieht.

Politisch brisant ist die Diskussion, weil Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) gegen den Standort Lorenzweg intervenierte, allerdings mit seinem eigenen Vorschlag im Februar im Rat scheiterte. Trümper favorisierte einen Gymnasiums-Neubau neben dem Rathaus. Zwar gibt es auch für Neu- und Erweiterungsbauten keine Stark-III-Förderung. Aufgrund der Seltenheit einer Schule in solch exponierter Lage hatte sich die Stadt aber Chancen auf eine Sonderförderung ausgerechnet.

CDU, FDP und Grüne hatten damals gegen das Gymnasium in Rathausnähe gestimmt. Das war vor allem als Watsche in Richtung Trümper gemeint gewesen, da die Fraktionen sich nicht mit einem "Trümper-Gymnasium" in der Innenstadt anfreunden wollten. Linke und SPD wiederum hatten mehrheitlich gegen den Lorenzweg votiert.

"Für uns ist es unfassbar, dass ein politischer Streit auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird", sagte der Chef des Stadtelternrates, Detlef Hubold, der Volksstimme. Fest stehe, dass die Schülerzahlen dramatisch steigen, Magdeburg dringend ein neues Gymnasium brauche. Hubold selbst hat sich kürzlich bei einem Treffen mit Staatssekretär Felgner über die Förderfähigkeit des Projekts Lorenzweg informiert. "Was ich da gehört habe, hat mich nicht gerade hoffnungsvoll gestimmt", so Hubold. Der Stadtelternrat hatte in der Vergangenheit den Lorenzweg-Entscheid mehrfach kritisiert und ebenfalls eine Innenstadt-Lösung gefordert.

Jens Krüger, Fachbereichsleiter Schule und Sport, bestätigte der Volksstimme, dass man nun in einem ersten Schritt bis zum 30. September dieses Jahres eine Beschreibung der Lorenzweg-Gebäude bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt abgeben werde. Daraus soll dann unter anderem hervorgehen, in welchem Zustand sich die Immobilien befinden und was gemacht werden muss. Beim Land rechnet man mit einer Genehmigung der EU-Mittel für den Stark-III-Topf Anfang 2015.

Ist das geschehen, werden Richtlinien für die Förderfähigkeit formuliert. Theoretisch wäre erst das der Zeitpunkt, an dem über ein Gymnasium am Lorenzweg Klarheit herrschen würde. Alles andere, heißt es, sei Stochern im Nebel. Fakt ist: Betrachtet man die Entwicklung der Schülerzahlen, braucht Magdeburg ab 2016/17 ein neues Gymnasium.

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