Die Preiserhöhung richtet sich nur an Gastronomen

3,7 Millionen Kunden, privat und gewerblich, beziehen das Angebot des Senders. Die Zahl der von der Preiserhöhung betroffenen Gastwirte nennt der Sender nicht. Auf der Internetseite von Sky sind Kunden genannt. Demnach gibt es etwa in Magdeburgs Gastronomie 24 Kunden. In Stendal sind es neun, in Wernigerode vier, in Salzwedel drei.

2013 erzielte Sky ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 34,8 Millionen Euro, nach einem Verlust von 51,1 Millionen Euro 2012. 2014 wird ein positives Betriebsergebnis von 70 bis 90 Millionen Euro angepeilt.

Magdeburg l Erst im vorigen September hatte der Münchener Sender die Preise teils drastisch angehoben. Jetzt geht es in die nächste Erhöhungsrunde. "Ab September müssen Gastronomen im Durchschnitt 30 Prozent mehr zahlen", sagte Sky-Sprecherin Britta Krämer der Volksstimme. Sie begründete das mit den Preisen für die neuen Lizenzen für Sportrechte, die der Sender erworben hat. Das seien von Jahr zu Jahr variable Kosten. Auch die Produktionskosten seien immer wieder Veränderungen unterworfen.

Für die kompletten Bundesliga-Rechte für den Zeitraum von 2013 bis 2017 zahlt Sky rund 480 Millionen Euro pro Saison.

"Ich rechne nicht mit einer Kündigungswelle."
- Sky-Sprecherin Britta Krämer

Die Sprecherin sagte, die Gastronomen profitierten von Sky. Bundesweit flössen rund 1,2 Milliarden Euro nur durch die Sportübertragungen von Sky in die Kneipenkassen. "Ich gehe daher nicht davon aus, dass es zu einer Kündigungswelle kommt", sagte Krämer.

Wie viel ein Gastronom für Sky zahlen muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Je größer eine Kneipe ist, desto teurer wird es. In der kleinsten Kategorie von null bis 35 Quadratmetern kostet es durchschnittlich 279 Euro im Monat, in der größten von 200 Quadratmetern und mehr 969 Euro monatlich. Gastwirte, die ihren Laden in Großstädten mit Bundesliga-Vereinen betreiben, zahlen mehr als die, die ein Geschäft auf dem Land ohne Liga-Verein haben. Schließlich würden diese auch deutlich bessere Möglichkeiten haben, einen hohen Umsatz mit Sky zu erwirtschaften, sagte Krämer.

Ein Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) sagte der Volksstimme, man habe gegenüber Sky die "massive Verärgerung der Betriebe deutlich gemacht". Inzwischen habe der Sender die jährlichen Rabatte für Dehoga-Mitglieder erhöht. Diese lägen jetzt zwischen 275 und 800 Euro - bislang waren es zwischen 150 und 400 Euro.

In Sachsen-Anhalt zeigen viele Gastwirte Sky die gelbe Karte. So Matthias Jung, Inhaber vom "Bürgerhaus Cracau" in Magdeburg, der Vereinsgaststätte des BSV 79. "Wenn mir nicht der Verein etwas dazugibt, kündige ich", sagte er. Bisher zahle er 232 Euro monatlich, künftig sollen es 292 Euro sein. "Für diese Preise ist der Zuspruch zu gering, es kommen nur zehn bis zwölf Leute zum Fußballgucken."

Oliver Sill, Inhaber des "Lion City Pub" in Magdeburg: "Da ich voriges Jahr einen neuen Vertrag mit Preisbindung ausgehandelt habe, greift die Erhöhung für mich nicht." So bleibe sein Abopreis bei 420 Euro im Monat, im alten Vertrag waren es 360 Euro. Den neuen Vertrag hat er direkt nach Abschluss wieder gekündigt - mit der Hoffnung auf gute Konditionen. "Wenn das nicht funktioniert, kann ich mir vorstellen, ein ähnliches Abo in einem anderen europäischen Land abzuschließen. Das ist viel günstiger."

Frank Schünemann, Inhaber der Gaststätte "Die Blechtrommel" in Haldensleben, sagte: "Ich habe mein Sky-Abo bei der letzten Erhöhung gekündigt. Damals sollte ich durch die neue Berechnung statt 60 plötzlich 500 Euro zahlen, weil mein Raum so groß ist. Ich bin doch nicht verrückt! Es kommen gerade mal 10 bis 15 Leute, und die sind nach dem Spiel gleich wieder weg. Die Berechnung ist für kleine Gaststätten eine Katastrophe."

Radovan Smiljanic vom Restaurant Amadeus in Salzwedel denkt nur vorsichtig über eine Kündigung nach: "Ich will meinen Gästen nicht einfach etwas wegnehmen. In einer Facebook-Umfrage werde ich schauen, wie groß die Nachfrage ist", sagte er. Dass der Preis schon wieder erhöht wird, findet er ganz und gar nicht gerechtfertigt. "Man bekommt nicht mehr für sein Geld, im Gegenteil: Viele Spiele sind mittlerweile frei empfangbar."

Der Hasseröder Ferienpark in Wernigerode ist laut Geschäftsführer Erik Voigt bisher nicht über Preiserhöhungen informiert worden. "Wir verfügen über eine Sky-Sportsbar und bieten in unseren Ferienwohnungen und -häusern Spielfilm- und Kinderkanäle von Sky an", sagte Voigt. "Die Kosten für Sky sind bei uns entsprechend höher und nicht vergleichbar mit anderen Einrichtungen."