Magdeburg l Manch Magdeburger Laubenpieper baut auf seiner Scholle nicht nur Gemüse, sondern auch Cannabis an. Allein seit Anfang Juli wurde in drei Sparten verbotener Hanf entdeckt. Das Problem ist so akut, dass sich die Vorsitzende des Verbandes der Gartenfreunde, Ute Simon, nun an die 14.000 Magdeburger Laubenpieper wendet.

"Cannabis ist nicht die neue Kulturpflanze in Magdeburger Kleingärten", stellt die Verbandschefin klar. Simon bestätigt laufende Ermittlungen gegen drei Pächter von Kleingärten. "Hier muss festgestellt werden, dass sowohl die betreffenden Kleingartenvereine als auch der Verband härteste Sanktionen gegen solche Verstöße verhängen wird, bis hin zur fristlosen Kündigung der Pachtverträge", so Simon weiter.

Oft sind es Zeugenhinweise, welche die Polizei auf die Spur führen. So auch Anfang Juli. In einem Garten an der Hermann-Hesse-Straße entdeckten die Beamten 13 Cannabis-Pflanzen, die bis zu einem Meter groß waren. Der Hanf wuchs in einem Zelt. Der Rest des Gartens sei in einem stark verwilderten Zustand gewesen. Gegen die Pächter des Gartens, einen 32-jährigen Mann und eine 28-jährige Frau, wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet.

"Bei Cannabis gibt es viele Zufallsfunde", sagte Polizeisprecher Marc Becher der Volksstimme. Die Droge sei weit verbreitet. "Der Besitz ist strafbar und wird zur Anzeige gebracht", so Becher weiter. Das gelte auch für den Verdacht auf den Besitz von Cannabis. Allerdings wird die weitere Strafverfolgung in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. So eröffnen Staatsanwaltschaften in Mecklenburg-Vorpommern schneller ein Strafverfahren als die Kollegen in Berlin. In Sachsen-Anhalt gilt der Besitz von sechs Gramm als ungefährer Richtwert, oberhalb dessen ein Verfahren droht. In Sachen Anbau hat jüngst ein Urteil für Aufsehen gesorgt. So dürfen nach einem Entscheid des Verwaltungsgerichts Köln Schwerkranke in Einzelfällen Cannabispflanzen für medizinische Zwecke anbauen.

"Die aufflammende Diskussion um den Cannabisanbau nach dem Gerichtsurteil beschäftigt auch den Verband der Gartenfreunde", kommentierte Simon. Eine Eingrenzung, welche Art von Hanf unter strengen Auflagen angebaut werden dürfe, gebe es nicht. "Sowohl Anbau, Zucht oder Haltung der Sorte Cannabis sativa als auch Cannabis indica sind im Gegensatz zum Hopfen, der ähnliche Eigenschaften aufweist, in den Kleingärten im Grundsatz verboten", führt Simon aus.

Neben dem Hanf in Kleingärten gab es in Magdeburg und Umland in den letzten Wochen eine Reihe kurioser und spektakulärer Cannabis-Funde. So entdeckte die Polizei während der Bombenentschärfung vor einer Woche zwei mutmaßliche Drogendealer (beide 19) im Sperrgebiet. Im Gepäck hatten sie mehrere Hundert Gramm Cannabis in szenetypischer Stückelung. Wenige Wochen davor hatten Polizei und Landeskriminalamt mehrere Plantagen im Wert von Hunderttausenden Euro ausgehoben.