Heimatpflege:

Der Landesheimatbund koordiniert im Auftrag des Landes zahlreiche Projekte im Bereich der Traditions- und Heimatpflege und des Bürgerschaftlichen Engagements im Kulturbereich. Er wird vom Land Sachsen-Anhalt mit mehr als 400.000 Euro pro Jahr institutionell gefördert.

Der Verein agiert zudem als Dachverband und Koordinator vieler Orts-, Heimat- und Interessenvereine, die sich der Erforschung, der Pflege und der Gestaltung des heimatlichen Lebensraumes widmen.

Magdeburg l Eineinhalb Jahre nach Bekanntwerden der Fördermittel-Affäre im Landesheimatbund ist die Schuldfrage der Misswirtschaft weiter ungeklärt. Das juristische Nachspiel zwischen Vorstand und Ex-Geschäftsführer Jörn Weinert droht zur Hängepartie zu werden.

Im November hatte Präsident Konrad Breitenborn gegenüber der Volksstimme angekündigt, Klage gegen Weinert eingereicht zu haben. Der Verband wollte Schadensersatzansprüche geltend machen. Weinert soll als Geschäftsführer (2005 bis 2011) Fördergelder falsch abgerechnet haben. Der Verein hatte mehr Projekte gefördert als beantragt waren. Das Land fordert mehr als 70000 Euro vom Landesheimatbund zurück.

Doch weit vorangekommen ist der Verband mit seinen Klagebemühungen bisher nicht. Ex-Geschäftsführer Jörn Weinert sagte der Volksstimme nun: "Ich warte immer noch. Es gibt bisher keine Klage gegen mich. Das war eine falsche Behauptung. Die Öffentlichkeit wurde damit bewusst getäuscht."

Landesheimatbund-Präsident Konrad Breitenborn will sich zu dieser Kritik und zur Auseinandersetzung mit dem Ex-Geschäftsführer nicht mehr äußern. Schriftlich teilt er mit: "Vor dem Hintergrund des andauernden Rechtsstreits mit Herrn Weinert werden wir keine öffentlichen Stellungnahmen abgeben." Auch Fragen zur finanziellen Lage des Landesheimatbundes beantwortet er nicht. Breitenborn verweist auf Anwalt Henning Bartels.

"Der Landesheimatbund wird - sofern er denn tatsächlich irgendwann Klage erhebt - verlieren." Ex-Geschäftsführer Jörn Weinert

Der Jurist erklärt, dass die Vorgehensweise des Vereins nicht unüblich sei. "Wir hatten zunächst eine Lösung mittels eines Mahnbescheidverfahrens angestrengt. Hiergegen hat Herr Weinert Widerspruch eingelegt. Nächster Schritt wird nun die Weiterführung vor dem Arbeitsgericht sein", kündigt er an. Der Landesheimatbund halte daran fest, dass Jörn Weinert für die Fördermittelaffäre verantwortlich und für den Schaden haftbar zu machen sei.

"Das ist lächerlich. Der Verein versucht, mich zum Sündenbock zu machen", beklagt der Ex-Geschäftsführer - und droht nun seinerseits mit einer Klage. "Wenn der Vorstand die Behauptung meiner Alleinschuld nicht zurücknimmt, werde ich mich wehren." Vorstand, Schatzmeister und Kassenprüfer hätten über Jahre Einblick in seine Arbeit gehabt und diese befürwortet. Weinert glaubt: "Der Landesheimatbund wird eine Alleinschuld gerichtlich niemals durchsetzen können. Im Gegenteil: Der Verein wird - sofern er denn tatsächlich irgendwann mal Klage erhebt - verlieren und sich blamieren."