Magdeburg l Mehr als 400 Kilogramm Schwarzpulver schießen Benjamin Hoop und sein Team bei den Pyro Games in den Himmel. Hinter zehn Minuten Spektakel stecken oft wochenlange Vorbereitungen.

Wenn bei den "Pyro Games" wie am vergangenen Wochenende Tausende Menschen in den Himmel schauen und die Arbeit von Deutschlands besten Feuerwerkern bewundern, läuft eigentlich nur noch ein Automatismus ab. Die eigentliche Arbeit hat da schon längst stattgefunden.

Diesmal hat sich Benjamin Hoop von Hanse Pyroshows aus Quickborn (Schleswig-Holstein) zur Untermalung seines Feuerwerks für Filmmusik entschieden. Auf der Liste stehen unter anderen Stücke aus Harry Potter, Kill Bill und Forrest Gump. "Die langsamen Nummern sind anspruchsvoll", sagt der 31-Jährige. Wenn das Stück gerade leise ist, dann muss auch das Feuerwerk ruhiger werden. Zu wissen, wann welcher Takt kommt, und im richtigen Moment Figuren in den Himmel zeichnen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Hoop ist der Vorjahressieger und möchte den Titel auch verteidigen.

"Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte", sagt er. In seinem sechsköpfigen Team arbeitet auch sein Vater mit. "Bei mir hat es ganz klassisch Silvester angefangen", erinnert sich Hoop. Seit eineinhalb Jahren sei er nun hauptberuflicher Feuerwerker.

An einem Abend schießen er und sein Team ungefähr 400 Kilogramm Schwarzpulver in die Luft. "Mit Kugelbomben, um genau zu sein", erklärt Hoop und lacht. Raketen sei nämlich eigentlich der falsche Begriff. Das Befüllen der Bomben ist an diesem Tag die Aufgabe von Vater Wilhelm Hoop (58). Mit einer Holzlatte drückt er das Schwarzpulver-Gemisch vorsichtig in den Füllvorrichtungen fest. Die Menge schwankt zwischen ungefähr 100 und 300 Gramm - je nach Figur und Steighöhe. "Wir erreichen damit bis zu 120 Meter und einen Effektradius von 60 bis 70 Meter", sagt Hoop.

Während am Sonnabend die Teams aufbauen, zieht am Horizont eine dicke Regenwolke auf und entlädt sich genau über dem Magdeburger Stadtpark. Der Pyrotechniker winkt ab. "Halb so wild. Regen stört uns nicht. Nur bei starkem Sturm und Blitzen müssen wir abbrechen", sagt er.

Am Sonnabend ist der Regen nur von kurzer Dauer. Bereits nach wenigen Minuten gehen die Aufbauarbeiten weiter. Programmiert ist da schon alles. Wenn die Kugelbomben dann in den Himmel steigen, läuft ein vorher eingestelltes Programm ab. Im Gegensatz zu früher werden keine Kabel mehr benutzt. Das Feuerwerk wird auch nicht mehr manuell gezündet. Zwischen Kugelbomben und Steuerungspult steht ein kleiner unscheinbarer Sender, der die Signale per Funk übermittelt. "Ein Pyrotechniker muss die Zeitabläufe genau im Kopf haben", sagt Hoop. Eine Kugelbombe braucht im Schnitt zwei bis fünf Sekunden, bis sie am Himmel explodiert. Es muss rechtzeitig gezündet werden, damit sie zum Takt explodiert.

In diesem Jahr sind Hoop und sein Team bei zwölf Stationen dabei. Zum Sieg hat es in Magdeburg dieses Mal nicht gereicht. Gewonnen hat Mathias Kürbs, ein Feuerwerker aus Pirna. "Aber wir freuen uns schon auf nächstes Jahr", sagt Hoop. Die aktuelle Saison läuft noch bis Oktober. Dann ist Pause. Für den Feuerwerker aus dem Norden wird es allerdings auch Silvester entspannter zugehen. "Meine kleine Tochter mag den Krach nicht", sagt er und lacht. Deshalb müsse er sich wohl mit kleinen Fontänen begnügen.

   

Bilder