Staßfurt l "Der Geschäftsführer der WDI, Klaus Lohrmann, informierte die Belegschaft in einer Betriebsversammlung darüber, dass die Absicht besteht, das Werk am 31. Dezember dieses Jahres zu schließen", sagte der Betriebsratsvorsitzende gegenübe der Volksstimme.

"Angeblich hat das Geschäft mit dem Maschendraht keine Zukunft mehr."

In einem Vorgespräch seien ihm auch die Gründe für diese Entscheidung mitgeteilt worden. "Angeblich hat das Geschäft mit dem Maschendraht keine Zukunft mehr. Um so mehr sind Betriebsrat und Belegschaft darüber verärgert und verwundert, dass die Produktionsmaschinen in Staßfurt abgebaut und in Altgandersheim, einem anderen WDI-Werk, wieder aufgebaut werden sollen", so Becker und fügte hinzu: "Dort soll die Produktion voll weiter laufen und die Kunden von Staßfurt werden komplett übernommen."

Noch unverständlicher werde dieser Schritt der Geschäftsführung für den Betriebsrat und die Belegschaft, da die Auftragsbücher voll seien und die wirtschaftliche Lage gut sei.

Werkleiter Thomas Eismann wollte sich dazu gestern nicht äußern. Er verwies auf eine offizielle Erklärung der WDI-Geschäftsführung, mit der Anfang September zu rechnen sei.

"Die Weiterbeschäftigung haben wir tarifvertraglich geregelt."

Am späten Nachmittag bestätigte Klaus Lohrmann im Volksstimme-Gespräch die Schließungspläne. Er begründete das damit, dass der Standort Verluste schreibe. Deshalb soll die Produktion am Standort Altgandersheim zusammengefasst werden. Dadurch entfalle dann auch die doppelte Lagerhaltung.

Wie Lohrmann versicherte, sollen die 24 Staßfurter Mitarbeiter nicht entlassen, sondern am Standort Rothenburg (Saale) bei Könnern, dem ostdeutschen WDI-Hauptwerk, weiter beschäftigt werden. "Das haben wir tarifvertraglich geregelt", sagte der Geschäftsführer der Volksstimme.

Der Wirtschaftsförderer der Stadt Staßfurt, Christian Schüler, sagte, er bedauere die Entwicklung, über die er noch nicht informiert gewesen sei, sehr. Wenn es gewünscht werde, werde er dem Unternehmen seine Hilfe anbieten.

In diesem Traditionsbetrieb am Athenslebener Weg in Staßfurt, der eine über hundertjährige Geschichte vorweisen kann und in seiner Entwicklung Höhen und Tiefen erlebt hat, arbeiten derzeit 24 Mitarbeiter sowie zehn Leiharbeiter. Zur Wendezeit waren es einschließlich der Verwaltung 150.

In Staßfurt werden heute Viereckdrahtgeflechte, Spann- und Bindedrähte, Stacheldraht und Zaunzubehör, wie zum Beispiel Zaunpfosten, Streben, Schellen, Türen, Tore, Kleinteile, Knotengeflechte und Zubehör, Doppelstabmatten und Zubehör sowie Wellengitter in verschiedenen Abmessungen gefertigt. Hauptkooperationspartner sind die staatlichen Forstämter, Firmen aus dem Bereich Garten- und Landschaftsbau und Zaunbau-Firmen.

"Das Drahtwerk Staßfurt ist ein Unternehmen, das fest im Sattel sitzt."

Das Drahtwerk in Staßfurt, das auch über einen Werksverkauf verfügt, hat sich 2006 nach eigenen Angaben zum zweitgrößten Produzenten von Viereckdrahtgeflechten in Mitteleuropa entwickelt.

Pro Jahr verließen zu diesem Zeitpunkt (neuere Zahlen liegen der Redaktion nicht vor) rund 6000 bis 7000 Tonnen Drahtgeflechte und Zubehörteile den Betrieb. Ein nicht geringer Teil der Produktion geht in den Export, speziell nach Holland und Dänemark. Zum Einsatz kommt das Staßfurter Zaunmaterial aber auch beim Deichbau in Belgien. Interessant sind auch die Staßfurter Spezialanfertigungen, zu denen unter anderem Bärengehege und andere gehören.

Auf der Internet-Homepage des Staßfurter Werkes heißt es: "Staßfurt ist heute nicht nur ein Industriestandort für Unternehmen, die sich in Sachsen-Anhalt profilieren wollen. Auch jene, die schon vor Jahrzehnten hier ansässig waren und deren Produkte auf dem Markt bestehen - wie die Drahtgeflechte des Drahtwerkes Staßfurt, ein Unternehmen der Westfälischen Drahtindustrie. Seit über 125 Jahren verarbeitet das Unternehmen erfolgreich Draht zu einer Vielzahl von Geflechten und Drahtprodukten. Über das ständige Sortiment unterschiedlicher Ausführungen, Materialien und Maschenweiten hinaus werden auch individuelle Kundenwünsche durch Sonderanfertigungen erfüllt. Das Drahtwerk Staßfurt ist ein Unternehmen, das fest im Sattel sitzt, wichtig für Wirtschaft und Industrie des Landes Sachsen-Anhalt und darüber hinaus."