Magdeburg l Im ersten Halbjahr hatten die MVB mit 7,9 Prozent einen Krankenstand erreicht, der seit mehreren Jahren nicht mehr so niedrig war. Mit einem Verhältnis, dass auf 12 gesunde Bus- oder Straßenbahnfahrer ein erkrankter Mitarbeiter kommt, hätte man leben können, sagt MVB-Personalchef Ulf Kazubke. Doch in den vergangenen Wochen ist der Wert auf 18 Prozent in die Höhe geschnellt - sprich jeder fünfte ist krank. "Das kann ein Unternehmen, das wirtschaftlich arbeiten muss, nicht auffangen", sagt er.

Viel Verständnis bringt eine große Zahl von Fahrgästen dem nicht entgegen: Zu lange schon sind in den vergangenen Monaten Busse und Bahnen ausgefallen, zu oft die Preise erhöht worden. Im Internet gibt es inzwischen sogar eine Facebook-Gruppe, die sich unter anderem über ausgefallene Fahrten austauscht oder wenn im Service Kritikpunkte auftreten.

Dort wird auch berichtet, dass sich laut MVB viele Fahrer durch den engen Kundenkontakt und an den Arbeitsplätzen Infektionskrankheiten einfangen. Das bestätigt MVB-Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel auch. Sie sagt: "Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements werden wir schnellstmöglich Desinfektionsmöglichkeiten für die Hände zur Verfügung stellen." Überhaupt setzt das Unternehmen große Hoffnungen in das unter anderem von TU Dresden wissenschaftlich und von zwei Krankenkassen begleitete Gesamtpaket, bei dem es in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und Betriebsräten z.B. um den Abbau von Stress, aber auch um Fragen der richtigen Führung und Kommunikation geht.

Carsten Schulze, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn Mitteldeutschland, sieht die Schuldigen an anderer Stelle: "Klar, in vielen Verkehrsbetrieben gibt es noch eklatante Mängel, die behoben werden müssen." Doch die Unternehmen seien ebenso wie die Kommunen als Träger auch Opfer - und zwar der von der Bundespolitik übergestülpten Rahmenbedingungen. "Wenn nicht in den öffentlichen Personenverkehr investiert werden kann, dann geht das an die Substanz." Dessen sind sich die MVB bewusst, hatten jüngst bei einem Aktionstag in Berlin auf die Problematik aufmerksam gemacht.

Neben der grundsätzlichen Frage zur finanziellen Ausstattung müssten die Unternehmen aber unbedingt die alte Ideenlosigkeit überwinden - Carsten Schulze nennt als Positivbeispiele die Schweiz, Usedom und Karlsruhe, wo die Verkehrsunternehmen Erfolge verbuchen können.

Die von den MVB für heute bereits in der gestrigen Volksstimmeausgabe angekündigte Ausdünnung des Fahrplans - Details siehe Seite 1 - soll nach Möglichkeit eine Ausnahme bleiben: Gestern haben vier neue Straßenbahnfahrer ihre Prüfungen abgelegt und steigen sofort in den Dienst mit ein.

Wegen der Rente mit 63 allerdings stehen schon die nächsten Abgänge ins Haus, die geschultert werden müssen. Derzeit arbeiten bei den MVB 344 Fahrer, beim Tochterunternehmen Magdeburger Verkehrsgesellschaft (MVG) 52 Fahrer.