Magdeburg l Viele Jahre lang verlor Sachsen-Anhalt allein durch Abwanderung Jahr für Jahr fast 20000 Menschen. Verschärfend hinzu kam das anhaltend hohe Geburtendefizit, so dass dem Land über lange Zeit jährlich eine Kreisstadt wie Haldensleben verloren ging.

Ab 2010 wendete sich das Blatt, und im vorigen Jahr war der Wanderungssaldo nahezu ausgeglichen, wie die aktuellen Daten des Statistischen Landesamtes belegen: Zwar packten fast 45 000 Sachsen-Anhalter die Koffer, aber es kamen auch 44 000 herein. Dies ist der geringste Wanderungsverlust seit der Wende. Günstiger war es nur 1993, 1994 und 1996, als zugezogene West-Beamte und Ausländer für eine positive Bilanz sorgten.

Nach wie vor verliert Sachsen-Anhalt viele seiner Landsleute an andere Bundesländer. Die meisten an Sachsen, wo etwa die Wirtschaftsmetropole Leipzig mit Jobs und Studienplätzen lockt. Gut 7000 Sachsen-Anhalter zog es zum südöstlichen Nachbarn, nur knapp 5000 zog es von dort hierher. Ähnlich attraktiv bleibt Niedersachsen. Insgesamt verlor Sachsen-Anhalt mehr als 6000 Einwohner an andere Bundesländer: Gut 36000 zogen weg und nur knapp 30000 kamen her. Vor allem junge Menschen verlassen Sachsen-Anhalt. Bei der Gruppe der 25- bis 30-Jährigen ist das Defizit am größten.

Positiv sieht allein die Bilanz bei Ausländern aus. Mehr als 14 000 Menschen aus anderen Staaten siedelten sich hier an - nur gut 8500 zogen wieder weg. Es sind vor allem junge unter 25-Jährige, die hier ankommen.

Die mit Abstand meisten Zuwanderer kommen aus Polen, mehr als 2500 Zuzügler stammen aus dem östlichen Nachbarland. Mit großem Abstand folgen China (700) und Syrien (500) - wobei aus dem arabischen Land vor allem Kriegsflüchtlinge hier Sicherheit suchen. Bescheidener als oft vermutet sieht die Bilanz mit den krisengeschüttelten Ländern wie Griechenland und Spanien aus. Zwar kamen voriges Jahr gut 300 Griechen nach Sachsen-Anhalt, aber 150 zogen auch wieder weiter. Ähnlich sieht es bei den Spaniern aus: 230 meldeten sich an, 134 wieder ab.

Innerhalb Sachsen-Anhalts gewinnen allein die Städte - am deutlichsten Magdeburg. Die Landeshauptstadt wuchs im vorigen Jahr um fast 1100 Einwohner, da vor allem junge Leute aus dem Umland in die Stadt ziehen. Magdeburg hat Halle als größte Stadt des Landes nun fast eingeholt. Die Stadt an der Saale wächst deutlich langsamer. Dessau und alle Landkreise verlieren weiter Einwohner. Den stärksten Verlust verzeichnet neben Dessau-Roßlau der Salzlandkreis.

Während die Wanderungsbilanz nahezu ausgeglichen ist, bleibt das Geburtendefizit hoch. Auf 100 Babys kommen im Landesmittel 187 Sterbefälle.