Magdeburg l "Das ist Wahnsinn!" Der Bahnmitarbeiter kann nur den Kopf schütteln angesichts der leichtsinnigen Aktion, die einem jungen Magdeburger in der Nacht zum Donnerstag an der Bahnbrücke im Wissenschaftshafen fast das Leben gekostet hat. Die dramatische Rettungsaktion hatte sich am Morgen wie ein Lauffeuer herumgesprochen.

Gleisbauer der Nachtschicht hatten gegen 2.45 Uhr im Bereich der Brückenzufahrt leise Hilferufe vernommen und schließlich den jungen Mann entdeckt, der über eine Brüstung rund 8 Meter in die Tiefe gestürzt war. Er soll schon längere Zeit dort gelegen haben, heißt es.

Der Student, der offenbar eine Abkürzung vom Herrenkrug über die Bahnbrücke in die Stadt nehmen wollte, hatte gleich mehrfach Glück im Unglück. Wegen des Gleisbaus fahren dort momentan nachts von Mitternacht bis 4 Uhr keine Züge. Und: Die Arbeiter hörten mitten in der Nacht die verzweifelten Rufe des hilflosen Mannes. Sie konnten die Höhenretter der Magdeburger Berufsfeuerwehr alarmieren, die fast eine Stunde brauchten, um den Verletzten über einen Schacht und auf einer speziellen Trage liegend zu bergen. Nicht auszudenken, wären die Arbeiter nicht in der Nähe gewesen an diesem sonst verlassenen Ort. Die Ermittlungen zu den genauen Umständen des Unfalls sind derweil angelaufen.

"Es ist purer Leichtsinn, der uns leider immer wieder begegnet", sagt Chris Kurpiers, Sprecherin der Bundespolizei. Besonders häufig turnen Kinder auf den Gleisen herum, sehen die Bahnanlagen als Abenteuerspielplatz. Zum Glück ist dabei in letzter Zeit nichts Schlimmeres passiert. "Auf solche Vorfälle reagieren wir aber", sagt Chris Kurpiers. Eine Präventionsbeamtin gehe regelmäßig in die Schulen, aus denen die Kinder kommen, die man auf den Gleisen erwischt hat. "Wir klären sie auf über die immensen Gefahren", so die Sprecherin der für die Bahnanlagen zuständigen Bundespolizei. Auch die Eltern seien gefordert, ihre Kinder immer wieder auf die Gefahren hinzuweisen.

Doch viele Erwachsene sind selbst kein gutes Vorbild. Regelmäßig müssen Menschen von Gleisen oder Bahnbrücken geholt werden, berichtet Chris Kurpiers. Erst am Mittwoch lief ein Mann von der Neustadt aus Richtung Hauptbahnhof auf den Gleisen. Er habe eine Abkürzung nehmen wollen, begründete er gegenüber den Beamten. Im Mai zuckelte gar ein Rentner mit Rollator zwischen Buckau und Hasselbachplatz über die Bahnschwellen. Auch er wollte auf kurzem Wege nach Hause. Das ist nicht nur lebensgefährlich, sondern kann auch teuer werden. "Züge müssen gestoppt werden. Es gibt Verzögerungen", betont Chris Kurpiers. Die Rechnung bekommen die illegalen Gleisläufer zugeschickt.