Magdeburg l Hund und Katze sind sich nicht immer wohl gesonnen. Dass ein Streit zwischen den beiden Vierbeinern vor dem Landgericht landet, ist dann aber doch eher selten. Am Mittwoch musste sich Richterin Caroline Limbach an der 10. Zivilkammer des Magdeburger Landgerichtes einem solchen Streit zuwenden. Es geht um die Beschädigung der silbernen Lackierung eines Pkw Audi Avant, auf dessen noblem Blech sich besagtes Pärchen wild gestritten hatte.

Keine leichte Aufgabe für die Richterin: Die Hauptbeteiligten - ein 22 Kilogramm schwerer und 60 Zentimeter hoher ungarischer Vorsteherhund und eine Hauskatze - lassen sich nicht als Zeugen vernehmen und waren demzufolge im Gerichtssaal auch nicht anwesend. Aber auch die Klägerin, die damalige Autobesitzerin Marita N. aus Kelbra (Mansfeld-Südharz), und die Beklagte, Hundefreundin Corinna D., waren nicht im Gerichtssaal, sondern nur zwei Anwälte. Der eine vertritt die Autobesitzerin, die den Schaden ersetzt haben möchte, der andere vertritt die Interessen der Haftpflichtversicherung der Beklagten.

Streitwert: Knapp 10000 Euro, 7000 Euro für die neue Lackierung, 3000 Euro andere Kosten wie zum Beispiel ein Mietwagen. Was war passiert? Der Vorfall hatte sich bereits im August 2012 ereignet und wird aus verfahrenstechnischen Gründen erst jetzt zum zweiten Mal verhandelt. Marita N. hatte besagten Audi vier Wochen vor dem Hund-Katze-Getümmel in der Werkstatt des Bruders der Hundebesitzerin lackieren lassen und war am 8. August zur Nachkontrolle erschienen. Diese Nachkontrolle durch den Bruder, Robert B., zeigte, dass der Wagen tipp-topp lackiert worden war. Weil die Autobesitzerin noch ins nahe Schwimmbad wollte, ließ sie den Wagen bis zum Abend auf dem Hof der Werkstatt von Robert B., mit dessen Einwilligung.

Der hatte an diesem Tag Besuch von Schwester Corinna, die im Liegestuhl vor dem Wohnhaus knapp 80 Meter vom Audi entfernt die sommerliche Harzluft genoss. Der Hund war derweil festgebunden an der Liege - bis er besagter Katze ansichtig wurde. Er riss sich los und lieferte sich mit dem fauchenden "Tiger" eine wilde Hetzjagd über die Haube des Audi und des danebenstehenden Seat von Werkstattbesitzer Robert B. Der sagte gestern als Zeuge aus. Er hat inzwischen die Werkstatt verkauft und ist nach Nordrhein-Westfalen gezogen. Der von ihm dann neu lackierte Audi ist inzwischen in seinem Besitz. "Den habe ich gekauft, weil der Familie nach dem plötzlichen Krebstod des Ehemannes die Privatinsolvenz droht", sagte Robert B. Die Familie betrieb ein Installationsunternehmen.

Die Fahrzeuge wurden kurz nach dem Vorfall von einem Dekra-Sachverständigen untersucht, der das Szenario für glaubhaft hält. Die Haftpflichtversicherung hegt dagegen Zweifel. Nun ist es Aufgabe von Richterin Caroline Limbach, in der Sache ein Urteil zu sprechen. Das hat sie gestern für den 19. November in Aussicht gestellt.