So sparen Finanzexperten

Michael Ermrich (61), Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes:
"Beim Stichwort Sparen fallen mir zuerst die Sparschweine meiner sechs Enkelkinder ein, die haben immer Hunger.

Beim Sparen vertraue ich auf die Empfehlungen meiner Sparkasse, damit bin ich immer gut gefahren. Ich bin ein eher konservativer Sparer. Ich besitze noch das gute alte Sparbuch und investiere lieber in Spareinlagen und Fonds und nicht in Aktien. Den Sparern kann ich nur raten, misstrauisch zu werden, wenn man ihnen hohe Zinsen bietet. Hohe Zinsen bedeuten immer auch hohes Risiko. Ganz wichtig ist mir der Hinweis: Sparen ist wichtig, trotz niedriger Zinsen."

Ralf Seibicke (53), Präsident des Landesrechnungshofes Sachsen-Anhalt:
"Es ist wichtig, ein Ziel zu haben, wofür gespart wird. Ich habe mein Geld in mein Eigenheim gesteckt. Meine Hauptstrategie war es, mein Haus so schnell wie möglich zu entschulden.

Bei größeren Beträgen sollte Sicherheit immer vor Rendite gehen."

Das empfehlen Verbraucherschützer:

l Wer sparen will, sollte es sinnvoll aufteilen.
l Zwei bis drei Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto parken. Beste Zinsen bietet aktuell die Sberbank Direct.
l Festgeld-Anlagen, die länger als ein Jahr laufen, sind angesichts niedriger Zinsen wenig sinnvoll.
l Bei langfristigen Anlagen bieten Aktienfonds derzeit die besten Renditen.
l Ein Girokonto für Kinder kann sich lohnen. Bis 2000 Euro sind 1,5 Prozent Zinsen möglich.

Magdeburg l Sachsen-Anhalter sind trotz niedriger Zinsen des Sparens noch nicht leid. "Die Einlagen steigen permanent", berichtet Cosima Ningelgen, Pressesprecherin des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. Bei den ostdeutschen Sparkassen-Kunden gebe es allerdings Unterschiede im Anlageverhalten. So würden Sachsen-Anhalter eher auf sichere Möglichkeiten wie Tagesgeldkonten oder Festgeld setzen und damit auf höhere Renditen verzichten. Sachsen sei in Ostdeutschland eine Ausnahme. Dort gebe es eher einen Trend zu risikofreudigeren Varianten wie Aktienfonds.

Einen Teil des Ersparten in Wertpapieren anzulegen, empfiehlt auch Mathias Paulokat, Pressesprecher der Commerzbank Sachsen-Anhalt. "Das klassische Sparen ist ein Auslaufmodell", sagt er. Durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank führe es zu einer schleichenden Enteignung, wenn man sein Geld einfach aufs Konto lege und abwarte. Weil die Anlage in Wertpapieren riskanter und aufwendiger ist als ein Sparbuch, rät Manfred Schröder von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt in Magdeburg, sich im Vorfeld unabhängig beraten zu lassen. "Trotzdem ist es besser, sinnvoll zu sparen als sinnlos zu konsumieren", sagt er.

Bundesweit ist die Bereitschaft zum Sparen gesunken. 2012 lag die Sparquote noch bei 9,4 Prozent (Sachsen-Anhalt 7,7 Prozent), im vergangenen Jahr bei 9,1 Prozent. Für Sachsen-Anhalt liegen aufgrund von derzeitigen Neuberechnungen bei den Statistischen Landesämtern keine aktuellen Zahlen zur Sparquote vor.

Doch die Skepsis der Sparer ist bereits bei den regionalen Geldinstituten angekommen. "Viele hinterfragen derzeit den Grund des Sparens", bestätigt auch Mathias Geraldy, Pressesprecher der Sparkasse Magdeburg. Er unterstützt die Forderung des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Georg Fahrenschon an die Bundesregierung, die staatliche Arbeitnehmer-Sparzulage attraktiver zu gestalten. "Es ist ein sinnvolles Anreizinstrument für den frühzeitigen Vermögensaufbau, aber es müsste auf die heutige Situation angepasst werden. Die Förderung ist zu niedrig", erklärt er.

Die staatliche Förderung der Vermögensbildung bekommen Alleinstehende, deren zu versteuerndes Einkommen unter 17900 Euro liegt, bei Ehepaaren das Doppelte.