Der Arbeitsmarkt im Oktober

114.528 Männer und Frauen waren im Oktober arbeitslos gemeldet. Das sind 2965 weniger als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr sank die Arbeitslosigkeit um gut 4651.

Die Zahl der Beschäftigten stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1932 auf 776.200. Das entspricht 0,2 Prozent.

Länger als ein Jahr ohne Job waren im Oktober 45.268 Menschen. Das sind 1238 weniger als im Vorjahr. Der Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit fiel mit 2,7 Prozent geringer aus als der Rückgang der allgemeinen Arbeitslosigkeit (3,9 Prozent).

Arbeitslose über 55 Jahre haben es weiter schwer. 26 640 Männer und Frauen in diesem Alter finden derzeit keine Beschäftigung. Im Vergleich zum Vorjahr gab es hier kaum Bewegung.

Magdeburg l Gewöhnlich vermeldet Arbeitsagentur-Chef Kay Senius die monatlichen Arbeitsmarktdaten alleine. Doch für Oktober hatte seine Behörde eine historische Zahl ermittelt, die Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) unbedingt selbst verkünden wollte: eine einstellige Arbeitslosenquote von 9,8 Prozent.

"Es ist für uns eine große Freude, erstmalig die Zehn-Prozent-Marke unterschritten zu haben. Darauf haben wir sehr lange gewartet", sagte Haseloff. Er erinnerte daran, dass das Land bis vor wenigen Jahren noch unter einer katastrophalen Massenarbeitslosigkeit litt. 1998 waren mehr als 300.000 Menschen arbeitslos, die Arbeitslosenquote erreichte im Februar den Rekordwert von 23,4 Prozent.

Unterbeschäftigung in Sachsen-Anhalt nur noch bei 13,5 Prozent

Jetzt, 16 Jahre später, suchen nur noch 114.528 Männer und Frauen einen Job. Im Bundesländer-Vergleich liegt Sachsen-Anhalt zwar noch immer auf den hinteren Plätzen, doch die rote Laterne, die das Land zwischen 1994 und 2003 trug, teilen sich nun Bremen und Berlin, die beide eine zweistellige Quote von 10,7 Prozent aufweisen.

Erstaunlich offen sprach Haseloff auch über die sogenannte Unterbeschäftigung. Unter diesem Titel werden neben den Arbeitslosen auch all diejenigen aufgelistet, die Weiterbildungen oder andere Programme durchlaufen und somit offiziell nicht als arbeitslos gelten. Noch in den 90er Jahren galten mehr als 700.000 Menschen als unterbeschäftigt, die Quote lag bei unfassbaren 50 Prozent. Mittlerweile ist die Unterbeschäftigung auf 163.000 und damit auf eine Quote von 13,5 Prozent zurückgegangen.

"Wir müssen darum kämpfen, dass sich die erfreuliche Entwicklung verstetigt", betonte Haseloff. Arbeitsagentur-Chef Kay Senius erläuterte, dass nun eine "psychologisch wichtige Marke" unterschritten worden sei. Für den Rückgang der Arbeitslosigkeit nannte er zwei Ursachen. Nach wie vor wächst die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt, die Zahl freier Stellen steigt. Hinzu kommen die Auswirkungen des demografischen Wandels: Immer mehr ältere Arbeitnehmer gehen in Rente, immer weniger junge Menschen drängen auf den Arbeitsmarkt.

Bund plant neue Programme für Langzeitarbeitslose

Davon fast unberührt blieb jedoch die Langzeitarbeitslosigkeit. Sie hat sich entgegen der allgemein günstigen Lage sogar noch verfestigt: 39,5 Prozent aller Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt sind im Oktober mehr als ein Jahr ohne Job gewesen. Im vergangenen Jahr lag der Anteil noch bei 37,4 Prozent. "Wir müssen jetzt die mitnehmen, die von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt noch nicht profitiert haben", betonte Senius. Besonders ältere Arbeitslose über 55 Jahren hätten es schwer, einen Job zu finden.

Sachsen-Anhalts Arbeitsminister Norbert Bischoff (SPD) erklärte hierzu, dass der Bund neue Förderprogramme für Ältere vorbereitet. "Langzeitarbeitslosigkeit bei über 55-Jährigen ist nicht mehr nur im Osten ein Problem, sondern auch in Westbundesländern."

Auf die Älteren wird die Wirtschaft ohnehin bald nicht mehr verzichten können. "Der Bevölkerungsrückgang wird sich ab 2017 erst richtig auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen", erklärte Senius. In spätestens sieben Jahren könne es in Sachsen-Anhalt dann das geben, was in den neunziger Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre: Vollbeschäftigung bei einer Arbeitslosenquote von unter vier Prozent.

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