Die Augsburger Puppenkiste ist legendär. Generationen von Kindern sind mit Urmel, Jim Knopf, Lukas der Lokomotivführer und Bill Bo großgeworden. Ab 13. November sind einige der einstigen TV-Stars in einer Sonderausstellung des Magdeburger Puppentheaters zu Gast.

Magdeburg l Wenn sich im Fernsehen die Holztüren der Augsburger Puppenkiste geöffnet haben, dann saßen Kinder mit großen Augen vor der Flimmerkiste. In den 1960er und Anfang der 70er Jahre wollten sie Lokomotivführer Lukas sehen, der mit seiner schnaufenden Lok Emma durchs Lummerland tuckerte. Dort, auf der "Insel mit zwei Bergen und dem tiefen, weiten Meer / Mit vier Tunnels und Geleisen / Und dem Eisenbahnverkehr" regierte König Alfons, der Viertelvorzwölfte. Erinnern Sie sich? Und kennen Sie noch Frau Waas vom Kaufladen, den Fotografen Herrn Ärmel und den Briefträger, der ein Paket vorbeibrachte, mit dem der schwarze Junge Jim Knopf auf die Insel kam?

In der Figurenspielsammlung des Puppentheaters Magdeburg werden all diese Erinnerungen wach. Dort ist in einer Sonderausstellung Lummerland mit den zwei Bergen aufgebaut, dort öffnen sich große Holzkisten mit kleinen Bühnen: Jim Knopf ist zu sehen und Lukas der Lokomotivführer und natürlich das Urmel aus dem Eis.

Zehn dieser Kisten mit dem bekannten, schräg gedruckten Namenszug "Augsburger Puppenkiste" erinnern an Kinderstücke wie "Der Froschkönig" (1967), "Das kalte Herz" (1977/78)"Die Bremer Stadtmusikanten" (1973), "Der Prinz von Pumpelonien" (1990) und an Erwachseneninszenierungen wie "Ein Traumspiel" (1953).

Marionettenbau in der Schreinerwerkstatt

Lummerland in Magdeburg.Am Eiland sind blauer Stoff und durchsichtiges Papier festgetackert. Es sieht aus wie Verpackungsmaterial für die Reise nach Magdeburg, gehört aber zum Original. Durch Bewegung entstanden fürs Fernsehen Wasser und Wellen und für Kinderaugen der weite, blaue Ozean.

Lummerland gehört zu den Highlights der Ausstellung, sagt Pressesprecher Jesko Döring. Nicht minder interessant ist die im Nebenraum aufgebaute originale Schreinerwerkstatt inklusive Werkband, Werkzeug und Rohmaterial. Dort ist ersichtlich, wie aus einem weichen Lindenholzklotz jene 800 bis 1200 Gramm schwere Marionette entsteht, die vom Puppenspieler mit Fäden am Spielkreuz bewegt und zum Leben erweckt wird.

Magdeburger Oehmichen ist der Gründungsvater

Es sind auch die Leute hinter der Marionette, die in der von Katrin Gellrich kuratierten Sonderausstellung ihren Platz finden. Natürlich gibt es keine Magdeburger Ausstellung ohne den Gründungsvater der Augsburger Puppenkiste. Walter Oehmichen, 1901 in Magdeburg geboren, hatte 1940, mitten im Krieg, die Idee, die Kameraden mit fantasievollen Geschichten abzulenken und aufzuheitern. Er hatte damals alles in einer Kiste verwahrt. Oehmichen wollte immer spielbereit sein. Das erste selbstgebaute Marionettentheater, gemeinsam mit Frau Rosa und den Töchtern Ulla und Hannelore erschaffen, verbrannte in Augsburg. Doch die Idee zu einer eigenen Marionettenbühne war nicht verlorengegangen.

1948 gab es in der Regie von Walter Oehmichen in Augsburg mit dem "Gestiefelten Kater" die erste Premiere (für eine Zigarette hat es damals zehn Sitzplätze gegeben). Der Zauberer und der Kater aus dieser Gründungsproduktion sind in Magdeburg zu sehen.

Was folgte, war eine außerordentliche Karriere des Puppenkiste-Familientheaters, das seinen Bekanntheitsgrad vor allem dem Fernsehen zu verdanken hat. Das Stück "Peter und der Wolf" war am 21. Januar 1953 die erste TV-Ausstrahlung, damals noch beim Hessischen Rundfunk. Die Marionetten und ihre Geschichten flimmerten in die Wohnzimmer und wurden Stars. Jahrzehnte verfolgten Kinder gebannt die Geschichten von Kater Mikesch, Urmel, Jim Knopf, Lukas, Kalle Wirsch, der Katze mit Hut und den vielen anderen Stars aus Holz. 150 TV-Produktionen gab es, 2011 mit der Inszenierung "Steffi - ein Fußballmärchen" die letzte Aufzeichnung. Heute treten Augsburger Puppen als Erwachsenenkabarett im Bayerischen Rundfunk auf. "Im deutschen Kinderfernsehen ist die Augsburger Puppenkiste nur noch sehr selten zu sehen", sagt Jesko Döring.

Die Ausstellung erinnert an die Fernsehhelden und hält diese außergewöhnliche Puppentheater-Geschichte fest - für große und kleine Menschen.

Die Sonderausstellung "Augsburger Puppenkiste" wird am 13. November um 19 Uhr eröffnet. Bis zum 6. April ist sie mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Karten 5 Euro Erwachsene, 3 Euro Kinder.

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