Magdeburg l Die Einwohnerversammlung in der Grundschule "Am Grenzweg" hat am Mittwochabend unter Polizeipräsenz stattgefunden. Grund dürften Pläne der Stadt gewesen sein, in einem Block am Bruno-Taut-Ring Wohnungen für Flüchtlinge einzurichten.

Bei der Einwohnerversammlung waren ungefähr 160 Bürger, darunter zwei Dutzend offensichtliche Gegner des Flüchtlingsblockes, anwesend. Zwischenzeitlich war die Stimmung aggressiv. Zahlreiche Gegner verließen während der Veranstaltung aber freiwillig den Saal, nachdem eine Frau den Oberbürgermeister aufgefordert hatte, fremdenfeindliche Äußerungen von Gästen zu unterbinden.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper zeigte sich in der Diskussion entsetzt über einen Rundbrief der Wohnungsgenossenschaft "Otto von Guericke". "Das ist schlechter Stil", sagte Trümper bei der Versammlung. Einen Tag zuvor war bekannt geworden, dass die Genossenschaft einen Rundbrief an ihre Mieter verschickt hatte, in dem sie über die Unterbringung von Flüchtlingen in einem Wohnblock am Bruno-Taut-Ring informierte.

In dem Schreiben hieß es: "Unser größtes Ärgernis war der Umstand, dass man sich für das Gebäude entschieden hatte, welches genau unserem Wohngebäude gegenüber liegt". Jenes kritisierte Haus gehört wiederum zum Bestand der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (Wobau). "Uns ist es gelungen, dass die Wobau nun nicht mehr die Herrichtung der Eingänge 89-92 weiter verfolgt", wird in dem Schreiben behauptet. Die Flüchtlinge würden in ein anderes, ebenfalls leer-, aber weiter weg stehendes Haus ziehen.

Dem widersprach Trümper am Mittwoch deutlich. "Wir haben Verträge mit der Wobau für die Eingänge 89-92", sagte er. "Das kann man nicht ignorieren." Bereits Ende Oktober hatte der Sozialbeigeordnete Hans-Werner Brüning die Pläne für die Unterbringung von Flüchtlingen vorgestellt.