Volksstimme: Woran machen Sie verbesserte Qualität in Krankenhäusern fest?
Klaus Holst: Die Patienten sollen die bestmögliche Versorgung im Krankenhaus bekommen. Dafür bedarf es besserer Informationen über den vorhandenen Qualitätsstandard, gerade wenn es um planbare Operationen geht. Ich sehe hier unter anderem auch Informationen über die Problematik der multiresistenten Keime und die Routine, also Erfahrung der Häuser mit bestimmten Operationen, als entscheidend an.

Sie denken an eine Art Keim-Register? Das werden die Kliniken aber nicht freiwillig liefern.
Natürlich wird das nicht freiwillig passieren, hier wäre der Gesetzgeber gefordert. Anhand der Ursachen von Sterbefällen durch Keime ließe sich dies darstellen. Der verantwortungsvolle Umgang mit der Hygiene bedarf eines transparenteren Umgangs in der Öffentlichkeit.

Warum rückt die Routine immer weiter in den Vordergrund?
Weil die richtige Diagnose der Erkrankung die Voraussetzung für die komplikationsfreie Behandlung des Patienten ist. Die Komplikationsrate sinkt mit steigender Behandlungsrate, das ist erwiesen.

Mit welchen Zusatzkosten ist besseres Qualitätsmanagement verbunden?
Für uns heißt die Qualitätsverbesserung, Leistungen an bestimmten Orten zu konzen-trieren. Zusatzkosten sehe ich nicht, diese würden nur bei insgesamt höheren Kapazitäten entstehen. Bestehendes soll einfach besser genutzt, das Zuordnungsproblem, welches Krankenhaus welche Leistungen am besten erbringt, gelöst werden. Spezialisierung kann Ressourcen sparen.

Inwieweit sind ambulante Arztpraxen in diese Überlegungen einbezogen?
Die niedergelassenen Ärzte entscheiden in der Regel, in welchem Krankenhaus der Patient seine Operation vornehmen lassen sollte. Wir wollen den Ärzten Richtlinien und Informationen über die Krankenhäuser an die Hand geben. Mit diesen Entscheidungshilfen können die Ärzte besser beurteilen, welche Leistungen wo in guter Qualität für ihre Patienten angeboten werden.

Wie wirkt sich größeres Qualitätsbewusstsein auf die Beitragshöhe aus?
Das Ringen um Qualität wirkt sich nicht unmittelbar auf die Beitragssätze aus. Dafür ist vielmehr der Einsatz aller wichtig, die Leistungen in der medizinischen Versorgung erbringen.

Wie werden sich die Beitragssätze für 2015 im Bereich der Ersatzkassen bewegen?
Das entscheidet nicht der Verband, sondern die Kassen selbst. Da kann ich keine generelle Voraussage treffen.

Aber die Tendenz werden Sie kennen?
Die Beiträge liegen jetzt bei 15,5 Prozent. Ich denke, sie werden - inklusive der neuen Zusatzbeiträge - für 2015 nicht steigen.