Magdeburg l "Der Staat kann nicht alles richten", sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bei der Festveranstaltung im Palais am Fürstenwall. "Was wären wir ohne Sie und ohne Ihre ehrenamtliche Arbeit?", richtete er sich direkt an die Gäste. "Das Ehrenamt ist das Rückgrat unseres demokratischen Gemeinwesens." Der Regierungschef unterstrich die Bedeutung der Arbeit mit Migranten: "Wir wollen, dass Flüchtlinge und Asylbewerber, die zu uns kommen, menschenwürdig untergebracht und so schnell wie möglich integriert werden", sagte Haseloff. Sachsen-Anhalt sei ein weltoffenes Land. Er warnte vor politischen Kräften, die das Thema Flüchtlingspolitik instrumentalisieren würden. Den ehrenamtlichen Helfern rief der Ministerpräsident zu: "Wir sind stolz auf Sie!"

Landtagspräsident Detlef Gürth (CDU) lobte die Ehrenamtler: "Was Sie uns schenken, ist so wertvoll, dass man es gar nicht bezahlen könnte, wenn man es müsste." Und: "Ohne das Ehrenamt wäre unser Land sehr arm dran." Zugleich mahnte Gürth, der Einsatz der Bürger dürfe nicht als großes Sparpotenzial der regionalen und bundesweiten Haushalte angesehen werden.

Wie viele Gesichter das Ehrenamt hat, wurde bei der Festveranstaltung deutlich. Da ist zum Beispiel Corinna Köbele, Vereinschefin und Gründerin der "Künstlerstadt Kalbe e.V.". Ziel des Vereins ist es, junge Menschen für den ländlichen Raum zu begeistern. Jedes Jahr im Sommer werden leerstehende Wohnungen zu kostenlosen Unterkünften und Ateliers für Kunststudenten aus aller Welt. Köbele sagte, der zunehmende Leerstand in der Stadt bedrücke sie: "In einem Geisterdorf will ich nicht leben." Die Künstlerstadt bringt neues Leben und internationales Flair in die Altmark. Köbele: "Immer mehr Menschen engagieren sich für dieses Projekt, das zieht immer größere Kreise."

"In einem Geisterdorf will ich nicht leben." - Corinna Köbele, Kalbe

Evelyn Zinke engagiert sich im "Anti-Gewalt-Zentrum Harz". "Gewalt hat nicht zugenommen, sie ist aber intensiver geworden", sagte die sympathische Frau. "Wenn früher jemand am Boden lag, hat man aufgehört. Heute wird weiter zugetreten." Der Verein kümmert sich um Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die durch aggressives, zerstörerisches Verhalten aufgefallen sind. Zur Klientel gehören verurteilte Straftäter, die ihr Training per Auflage absolvieren müssen, ebenso wie Schüler und Jugendclub-Besucher, die gelegentlich durch gewalttätiges Verhalten auffällig geworden sind. "Das sind keine Wattebällchen-Werfer" sagte Evelyn Zinke. Der Verein kann auf eine stolze Quote verweisen: 70 Prozent derjenigen, die ein mehrmonatiges Anti-Aggressivitäts-Training absolviert hätten, seien nicht rückfällig geworden, sagte Zinke.

Andreas Pichotka, bescheiden wie die anderen Ehrenamtlichen auch, engagiert sich seit mehr als zehn Jahren in der vom katholischen Bistum Magdeburg initiierten Stiftung "netzwerk leben". Diese leistet schnell und unbürokratisch direkte Hilfen für in Not und Bedrängnis geratene Schwangere, Kinder, Männer und Frauen, Ehen und Familien. Pichotka, von Beruf Hausmeister in einer Schule, hilft Familien in Not bei handwerklichen Tätigkeiten, etwa beim Malern. "Wir wollen Mut zum Leben machen", sagte er.

"Wir wollen Mut zum Leben machen." - Andreas Pichotka, Burg

Heiko Fricke, der 32 Jahre Wehrleiter in der Freiwilligen Feuerwehr Abbenrode war, kümmert sich seit 2010 um den Aufbau der Kinderfeuerwehr "Glühwürmchen". Kinder zwischen fünf und zehn Jahren sind dort sprichwörtlich mit Feuereifer bei der Sache. Fricke sagte augenzwinkernd: "Es ist schwieriger, 20 Kinder zu betreuen als zwei Wehren im Einsatz."

In Sachsen-Anhalt sind mehr als 550.000 Menschen ehrenamtlich tätig. Die meisten sind bei Sport und Bewegung aktiv, gefolgt von Sozialem und Gesundheit.