Magdeburg I Pünktlich zu Neujahr lässt sich an Seen und Flüssen ein Verhalten bei erwachsenen Menschen beobachten, das einen gewissen Verdacht von geistiger Verwirrung aufkommen lässt. Sie legen trotz Kälte ihre Kleider ab und stürzen kreischend in das eisige Wasser. Zuweilen soll altertümliche Badekleidung zur Erheiterung beitragen.

Was treibt Menschen zu solch einem Schabernack? Etwa 3000 "Eisbader" soll es in ganz Deutschland geben. Bietet der Handel nicht genügend Winter-Textilien passend für jeden Geldbeutel an? Anscheinend nicht.

Neujahr stürzten wieder 350 Verwirrte bei Norderney in die Nordsee. Eine Gruppe namens "Berliner Seehunde" vollzog dieses - pardon - kranke Ritual am Orankesee. Einige "Seehunde" trugen Bauhelme mit der Aufschrift: "Der BER geht baden". Selbst im aufgeklärten Magdeburg glaubt eine Zusammenrottung namens "Eisröwer", dass ein Seebad im Winter für etwas gut sei.

Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass ein Kälteschock die Durchblutung verbessere und zu einem Gefühl der Befriedigung wegen der vollzogenen Selbstüberwindung führe. Was für ein Unsinn!

Ich darf hier von einem Selbstversuch berichten, dem ich mich im Dienste der Sache unterworfen habe. Gestern regulierte ich das Thermostat in meiner Wohnstube von Stufe "3" auf Stufe "2" herab und nahm vor dem Heizkörper Platz. Bereits nach etwa einer Stunde wurde mir fröstelhaft. Glauben Sie mir: Ein Gefühl der Befriedigung hat zu keiner Zeit eingesetzt.