Magdeburg l Magdeburg hat eine reiche Geschichte - an einigen Stellen in der Stadt ist nach mehreren Zerstörungen davon aber nichts mehr zu sehen. Und eine Reihe von Baudenkmalen sind in einem desolaten Zustand, bröckeln vor sich hin. Ihnen droht der Abriss. Die nächsten Kandidaten, die es treffen dürfte, sind die Häuser in der Wasserkunststraße 21 und 22. Vor Wochen wurde hier bereits eine Absperrung um die Gebäude gezogen: Der Fußweg ist dicht, der Autoverkehr fließt einspurig vorbei, der Parkplatz eines benachbarten Einrichtungshauses ist zum Teil blockiert.

Baubeigeordneter Dieter Scheidemann berichtet: "Die beiden Häuser wurden Mitte Oktober von Mitarbeitern der Unteren Denkmalschutzbehörde und des Bauordnungsamts begutachtet." Beim Gebäude Wasserkunststraße 21 war dabei festgestellt worden, dass das vordere Dach offen stand und Zwischendecken eingestürzt waren. Eine zweite Prüfung durch einen Statiker ergab, dass die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war. Die Folge: Rundherum wurde abgesperrt. Der Eigentümer hatte zwar noch ein Fassadengerüst organisiert - beim Öffnen von Teilen des Mauerwerks kamen aber weitere Schäden zu Tage. Diese hatten das Aus für Bemühungen um den Erhalt des Gebäudes bedeutet.

Bekannt war der Zustand schon seit Längerem: Im Dezember 2013 hatte die Volksstimme berichtet, dass das Landesverwaltungsamt das Haus in die Denkmalbörse unter www.lvwa.sachsen-anhalt.de aufgenommen hatte. Über diese sollen unter dem Motto "In liebevolle Hände abzugeben" bedrohte Gebäude an Interessenten, die in ein altes Haus investieren wollen, vermittelt werden. Inzwischen gibt es in der Liste allerdings keine Objekte aus Magdeburg mehr.

Der Zustand der Wasserkunststraße 22 ist nicht besser als der des Nachbarhauses. Hier war schon eher klar, dass eine Rettung nicht möglich ist. Mit einem Schrottimmobilienkataster und der Kontaktaufnahme zu Eigentümern hat die Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten versucht, die Rettung gefährdeter Baudenkmale anzuschieben. Wie die Beispiele aus der Wasserkunststraße zeigen, ist es dafür in einigen Fällen längst zu spät. Dieter Scheidemann sagt: "Tatsächlich ist der Erhalt von maroden Gebäuden ein schwieriges Unterfangen." Beispiele gibt es im Stadtzentrum ebenso wie in den Außenbezirken. Scheidemann: "Das zeigt ja: Oft ist die vermeintlich schlechte Lage eines Hauses nicht das Problem." Vielmehr seien es schwierige Eigentumsverhältnisse.

Derzeit laufen Gespräche zu 30 verwahrlosten Häusern

Mit Schwerpunkt auf den Sanierungsgebieten hat die Verwaltung inzwischen 347 verwahrloste Häuser in ihrer Liste registriert. 257 Eigentümer wurden angeschrieben, 113 haben sich zurückgemeldet, mit 30 laufen derzeit Gespräche. Es gehe darum, auf Förderprogramme und die Möglichkeiten der steuerlichen Abschreibung hinzuweisen. In Einzelfällen könnten auch Gelder aus Fonds fließen. "Und wo es keine Einsicht beim Eigentümer gibt, müssen wir auf die Einhaltung von Verpflichtungen von der Verkehrssicherung bis hin zur Steuerschuld drängen", sagt Dieter Scheidemann. Im Stadtplanungsamt gebe es Ansprechpartner wie Claudia Redling (Telefon: 0391/540-5247), die beraten und eventuell auch Eigentümer mit Interessenten zusammenbringen.

   

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