Wartezeiten
Im Schnitt müssen Kassenpatienten in Sachsen-Anhalt laut einer Erhebung der Grünen-Bundestagsfraktion 25 Tage länger auf einen Facharzttermin warten als Privatpatienten. Regional unterscheiden sich die Werte:

Salzlandkreis: 34 Tage
Landkreis Wittenberg: 27
Dessau-Roßlau: 26
Magdeburg: 25
Halle: 24
Landkreis Harz: 24
Landkreis Stendal: 20
Burgenlandkreis: 19

Magdeburg l Ob ein Patient bei einem Facharzt in Sachsen-Anhalt zügig einen Termin bekommt, hängt stark davon ab, wie er versichert ist. Das geht aus einer Erhebung der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die der Volksstimme vorliegt. Demnach müssen gesetzlich Versicherte mit einer Wartezeit von durchschnittlich 45 Tagen rechnen, Versicherte einer Privatkasse hingegen nur mit 20 Tagen.

Für die Erhebung hatten Mitarbeiter der Fraktion Anfang Dezember in 300 Facharztpraxen in Sachsen-Anhalt jeweils zwei Mal angerufen. Sie gaben sich zunächst als Kassenpatient, beim zweiten Anruf als Privatpatient aus. Bei Internisten fragten sie wegen Magenschmerzen nach einem Termin, bei Augenärzten wegen Sehproblemen. Ihr Fazit: Privatpatienten werden überwiegend bevorzugt, wobei es Unterschiede in einzelnen Regionen gibt.

In Ballungszentren wie Magdeburg und Halle müssen gesetzlich Versicherte im Schnitt um die 40 Tage auf einen Termin warten, Privatversicherte 16 Tage. Vergleichsweise lange Wartezeiten müssen Kassenpatienten in Dessau (64 Tage) und im Salzlandkreis (50 Tage) hinnehmen, Privatversicherte warten dagegen in Dessau nur 28 Tage, im Salzlandkreis 16 Tage. Als "Spitzenreiter" bei Wartezeiten wird in der Erhebung ein Augenarzt aus Aschersleben aufgeführt: Bei ihm warten Kassenpatienten 186 Tage, privat Versicherte dagegen nur sieben Tage. Bei jeder fünften Arztpraxis bekamen gesetzlich Versicherte gar keinen Termin, oft mit der Begründung, es würden keine weiteren Patienten mehr aufgenommen. In den selben Praxen gab es jedoch schon im Schnitt nach sieben Tagen Termine für Privatpatienten.

Immerhin: 40 Prozent der Praxen machen der Grünen-Studie zufolge keinen Unterschied bei der Terminvergabe zwischen Kassen- und Privatpatienten.

Steffi Lemke, Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Dessau, erklärte am Mittwoch zur Untersuchung: "Es ist nicht solidarisch, dass die Trennung von gesetzlicher und privater Krankenversicherung zu solch krassen Unterschieden bei der Terminvergabe führt." Lemke bekräftigte die Forderung der Grünen nach der Einführung der Bürgerversicherung. "So hätten Ärzte keine honorarbezogenen Anreize mehr, bestimmte Patienten bevorzugt zu behandeln." Derzeit erhalten die Mediziner mehr als das doppelte Honorar, wenn sie Privatpatienten behandeln.

Politisch spielt die Bürgerversicherung momentan jedoch kaum eine Rolle, insbesondere die CDU ist dagegen, private Kassen abzuschaffen. Die Bundesregierung hatte sich aber Mitte Dezember darauf verständigt, Terminservicestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen einrichten zu wollen. Über die Stellen sollen Patienten künftig innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt erhalten. Der Bundestag muss der Einrichtung dieser Stellen jedoch erst noch zustimmen."Die Terminservicestellen lindern zwar die Symptome, heilen aber nicht die Ursachen", kritisiert Lemke.