Rübeland l Wenn es im Schacht ungeplant bergab geht, lassen Bergleute schon mal die Alarmglocke schrillen. Deshalb sind am gestrigen Freitag der Vorsitzende des Vereins der Bergbaufreunde Elbingerode/Harz, Harald Müller, und Führungsmitglied Gerhard Rösicke, vor die Presse getreten. Beide sind Bergbaukenner, läuten zwar keine Glocke, schlagen aber mit Worten Alarm zur Rettung des Besucherbergwerks "Drei Kronen Ehrt" bei Rübeland.

"Wenn jetzt nicht gegengearbeitet und eine Lösung gefunden wird", so Müller, "wird ein Besuchermagnet und touristischer Erwerbszweig für immer vernichtet." Weit über 300 000 Besucher hätten seit Öffnung des Stollens für Touristen interessante Einblicke in die Bergwelt und die Harzer Bergbautradition erhalten. Rund eine Millionen Mark öffentlicher Gelder seien für die Schaffung des Bergbaumuseums ausgegeben worden. All das ginge Ende 2015 verloren.

Hintergrund sind die Bestrebungen des Eigentümers der früheren Grube "Einheit" samt des heutigen Besucherbergwerks, alle Hohlräume der alten Anlage zu verfüllen. Das Bergwerk soll verwahrt werden, wie der Bergmann sagt. Dazu signalisierte die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwahrungsgesellschaft Sondershausen (LMBV) als aktueller Eigner mehrfach, dass die Nutzungsvereinbarung für das Besucherbergwerk als kleiner Teil der Grube "Einheit" nicht über den 30. November 2015 hinaus verlängert werden kann (Volksstimme berichtete).

Diese Vereinbarung war bisher seit Anfang der 1990-er Jahre immer wieder verlängert worden. "Sie muss auch nochmal verlängert werden", fordert Rösicke: "Nötig ist aber auch eine grundsätzliche Regelung im Abschlussbetriebsplan, um das Besucherbergwerk zu sichern." Diese Ergänzung lasse das Berggesetz zu.

Rösicke und Müller wissen, wovon sie reden. Beide waren einst als Obermechaniker und Grubentechniker selbst "auf der Einheit" tätig. Dass die alten Abbauräume verwahrt werden müssen, sei klar, meinen sie. Warum aber auch die Räume des Besucherbergwerks abgedichtet werden sollen, sei nicht nachvollziehbar und sollte abgeändert werden, um die Einrichtung mit ihren zurzeit sechs Arbeitsplätzen zu retten.

Dem stehen die Pläne zur Verwahrung inklusive Abdichtung der Grube entgegen. Aber, so Müller und Rösicke, ganz werde sich das Wasser sowieso nicht im Berg halten lassen. Es sickere eh durch Spalten und Klüfte, so dass die Verwahrung fraglich sei. Wasser finde immer einen Weg sagt auch Bergmann a. D. Erhard Möllenberg, ebenfalls Vereinsmitglied. Er nennt dazu eine alte Bergmannsweisheit: "Wasser hat`n dünnen Kopp", kommt quasi überall durch. Deshalb, so das Fazit der Vereinsfreunde, seien die Pläne für die Verwahrung der ganzen Grube dringend zu überdenken.

Der rund 80 Mitglieder zählende Verein der Bergbau-freunde stärkt damit eine Front gegen die Schließung des Besucherbergwerks. Der Bergverein Hüttenrode fordert dessen Erhalt, die Kreisverwaltung kündigt schon Gespräche mit der Landesregierung an.

"Wir stehen zum Besucherbergwerk", bekräftigt Harald Müller im Namen der Bergbaufreunde. Ob all das hilft, bleibt abzuwarten. Der Streit um eine Lösung ist eröffnet.

   

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