Nijerk | Für Christen ist die Welt eigentlich ganz einfach. Die Bibel gibt die Orientierung, Gott ist überall und Jesus der Sohn des Allmächtigen. An dessen Existenz sollte also für die Gläubigen kein Zweifel bestehen, erst recht nicht für die offiziellen Vertreter der Kirche. Im niederländischen Nijerk aber kommt dieses Weltbild gerade gehörig ins Wanken.

Hier predigt Pfarrer Edward van der Kaaij nicht etwa Gottes Lehre, sondern das genaue Gegenteil. Öffentlich zweifelt er die tatsächliche Existenz von Jesus an und verschiebt ihn kurzerhand ins Reich in die Mythologie. Van der Kaaij hat gleich in mehreren Interviews und einem Buch die These vertreten, Jesus habe nicht gelebt. Die Bibel und somit auch Jesus hätten ihren Ursprung in Mythen, sagte er der Tageszeitung "Trouw". "Wenn das Evangelium ein Mythos ist, ist es dann eine gute Auslegung der Bibel, so zu tun, als wäre alles in echt passiert?

Man tut ja auch nicht so, als wäre Rotkäppchen eine historische Geschichte." Jesus auf einer Stufe mit Rotkäppchen? Die Bibel gar ein Märchenbuch? Gott bewahre, dachte sich da der Oberhirte der protestantischen Kirche in den Niederlanden, Arjan Plaisier. Er erteilte dem anscheinend nicht ganz so bibeltreuen Kirchenmann kurzerhand ein Predigtverbot. Kritiker sprechen bereits von einer "Irrlehre", die versuche, die Fundamente der Kirche zu erschüttern.

Van der Kaaij ist übrigens nicht der erste niederländische Pfarrer, der mit seinen steilen Thesen Widerspruch auslöst. So sorgte bereits 2007 Klaas Hendrikse mit seinem Buch "Glauben an einen Gott, der nicht besteht" landesweit für Debatten. Damals entschied die Kirchenleitung übrigens, der Pfarrer dürfe im Amt bleiben. Das Gebot der Vergebung nehmen sie in unserem Nachbarland also sehr ernst.