Etwa 1000 Menschen trieb es auf die Straße. "Wir fühlen uns betrogen" und "Bringt sie in den Knast" riefen sie. Auf Sizilien geht es nicht um die Rettung des Abendlandes: Der Protest richtet sich gegen eine schamlose Bereicherung der Stadträte von Agrigent.

30 Mitglieder gehören dem Rat der 60 000 Einwohner großen Stadt an Siziliens Südküste an. Sie waren auf den ersten Blick besonders fleißige Kommunalpolitiker. Dokumentiert ist, dass die "Consigliere" von Agrigent im vorigen Jahr insgesamt 1133-mal tagten - rein rechnerisch also dreimal täglich. Ein Ding der Unmöglichkeit. Doch diskutiert und beschlossen hätten sie nichts, heißt es in der Stadt, meldet Spiegel-Online.

So viel angebliche Beflissenheit hat auch einen handfesten Grund: Für jede Ratssitzung gibt es an Italiens Südspitze zehn Euro. Da zahlt sich der "Fleiß" doch aus. Immerhin kam so jeder Stadtrat auf rund 10 000 Euro Sitzungsgeld im Jahr. In die Stadtkasse riss dies ein Loch von 300 000 Euro - viele wenig ergeben eben ein Viel.

Dieses Geld hätte die Kleinstadt dringend gebrauchen können. Die Innenstadt ist verwaist, die Gebäude verfallen, in puncto Lebensqualität rangiert Agrigent ganz weit hinten.

Den Stadträten dürfte es künftig kaum besser gehen - Polizei und Staatsanwälte ermitteln jetzt.