Alle Songs der Teilnehmer zum Probehören finden Sie unter http://www.eurovision.de/news/Teilnehmer-deutscher-ESC-Vorentscheid,hannover8850.html

Magdeburg l Yvonne Catterfeld, No Angels, The Baseballs - die Liste der Musiker, mit denen Erik Macholl (36) und Andreas John (36) gearbeitet haben, ist lang. Ende der 1990er Jahre zog es die beiden Schönebecker, die sich bereits aus der Schule kennen und dort eine Band gründeten, nach Berlin. Als Produzenten und Songschreiber führten sie andere zum Erfolg.

Plötzlich stehen sie nun selbst im Rampenlicht. Wieder, muss man sagen. Denn vor 17 Jahren waren sie als "John McHoll" schon einmal in den Charts vertreten - ein Musikprojekt, dass sie mit dem Kommentar "jede Zeit hat eben ihre Musik" charmant weglachen.

Mit der Dance-Musik von damals hat ihr aktuelles Projekt "Fahrenhaidt" jedenfalls nichts mehr gemein. Ganz im Gegenteil: "The Book of Nature", so der Titel ihres gerade erst erschienenen Debütalbums, ist Musik zum Entspannen und Träumen. Klavier, Streicher und Akustikgitarre geben der Natur eine Klangfarbe; die dänische Sängerin Amanda Pedersen ihr eine Stimme.

"In Elbenau bei meinen Eltern ist nachts rein gar nichts zu hören, höchstens mal zwei Katzen, die sich bekriegen."
Erik Macholl

"Berlin ist inspirierend und kreativ, aber auch unglaublich laut und hektisch - sogar nachts", erklärt Erik Macholl. Mindestens einmal im Monat kommen sie daher in die Heimat, besuchen Familie, Freunde und genießen die Ruhe. Das sei wie Urlaub für sie. "In Elbenau bei meinen Eltern ist nachts rein gar nichts zu hören, höchstens mal zwei Katzen, die sich bekriegen", erzählt Erik Macholl. In der Natur herrsche eine andere Ruhe als in einem Zimmer. Und genau diese versuchen sie in ihrer Musik einzufangen. "Wir sind ziemliche Workaholics, verbringen sehr viel Zeit im Studio und wollten die Natur zu uns zurückholen", fügt Andreas John hinzu. Das Ergebnis trägt Titel wie "The River" (dt. Der Fluss), "Mother Earth (dt. Mutter Erde) oder "Frozen Silence" (dt. Gefrorene Stille).

Natur in Tönen und Tempi. Wunderbar für Wellness, Yoga und Meditation - aber funktioniert das auch auf der Bühne? "Wir werden sehen. Aber dafür war es auch nicht zwingend gedacht", machen sie deutlich.

Als kürzlich das Angebot kam, an "Mein Song für Österreich", dem ESC-Vorentscheid, teilzunehmen zu können, seien sie ziemlich "baff" gewesen. "Uns gab es ja erst zwei Monate und das Album hatten wir vielmehr für uns produziert, um den ganzen Trubel zu kompensieren", erklärt Erik Macholl.

Doch entgehen lassen wollten sie sich die Chance auch nicht. "Man hat in den vergangenen Jahren sehen können, dass auch Unbekannte und Außenseiter eine reelle Chance haben", sagt Andreas John. Man denke an "Elaiza" zurück, die im Vorentscheid des vergangenen Jahres den Favoriten "Unheilig" vom Thron stießen. "Sie waren jung und frisch und wirkten nicht so abgeklärt wie die anderen Künstler."

Und so setzt "Fahrenhaidt" auf den "Mal was anderes"-Faktor". Und auf ihre charismatische Sängerin Amanda Pedersen. Denn wenn sie die Zuschauer mit ihrer Stimme "voller Emotionalität und Coolness" genauso in ihren Bann zieht, wie sie es mit ihnen gemacht habe, ist das Ticket greifbar nah.

Letztlich entscheiden jedoch die Zuschauer. Zwei Songs darf jede Band präsentieren. John und Macholl haben sich für "Frozen Silence" und "Mother Earth" entschieden, um "Abwechslung reinzubringen". Andreas John sitzt am Flügel und Erik Macholl ist an Bass und Keyboard zu erleben. Tüllüberworfene, flatternde Lampen, Ballett-Tänzerinnen und schwimmenden Quallen auf einer LED-Leinwand im Hintergrund werden einen magischen Moment schaffen.

Nach dem ersten Auftritt werden vier der acht in die zweite Runde gewählt, aus der nicht nur der Sieger, sondern auch der Siegersong hervorgeht. Welcher das sein wird, ist heute Abend 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. Neben "Fahrenhaidt" treten unter anderem auch Faun, Mrs. Greenbird, Andreas Kümmert und Laing an. Letztere zählen Macholl und John zu den Favoriten. Und wer wird heute Abend im Publikum sitzen? "Unsere Freundinnen", verraten sie. Denn die Familien der beiden schauen zu Hause zu.