Eine Waffe aus der Frühzeit der Menschheit

Die Schleuder dürfte neben Speer, Bogen und Keule zu den ältesten Waffen der Menschheit gehören. Sie ist bei den Indianern in Mittel- und Südamerika, den eisenzeitlichen Kelten, im antiken Griechenland, im Nahen und Mittleren Osten ("David gegen Goliath"-Geschichte aus der Bibel) und im Römischen Reich nachgewiesen.

Schleudern hatten viele Vorteile: Sie waren extrem billig und leicht herzustellen, witterungsbeständig und die Munition in Form von Steinen war überall verfügbar. Sie ist leicht zu transportieren, mit einer Hand einsetzbar und schießt nahezu lautlos. Weil der effektive Einsatz jedoch viel Übung erforderte, setzte z.B. das Römische Reich Söldner von den Balearen und der Insel Rhodos ein.

Verschossen wurden (Kiesel-)Steine, aber auch Blei- und Eisengeschosse sowie glühende Tonkugeln. Bleigeschosse sollen eine Reichweite von bis zu 300 Metern gehabt haben.

Uwe Pelzer aus der Börde hat sich einem seltenen Hobby verschrieben - der Steinschleuderei. Der Umgang mit der Schleuder, die durch den biblischen Kampf Davids gegen den Riesen Goliath berühmt wurde, geht bis in die Anfänge der menschlichen Zivilisation zurück.

Hadmersleben l Mit dem gezielten Schleudern von Steinen auf eine Scheibe hat es Uwe Pelzer aus dem Oschersleber Ortsteil Hadmersleben (Landkreis Börde) inzwischen zu internationalen Ehren gebracht. Anfang März startete der 38-Jährige bei den Meisterschaften der Balearen in Palma de Mallorca und stand am Ende auf dem Siegerpodest ganz oben. "Auf den Balearen ist das Steineschleudern Volkssport. Die Schleuderer waren einst Söldner", berichtet Uwe Pelzer.

Aber wie ist er zu diesem außergewöhnlichen Hobby gekommen? "Ich bin schon seit 15 Jahren in einer Wikingergruppe, im Bernstein-Ring, so heißt meine Sippe, aktiv. Über diese Schiene habe ich auch begonnen, mich mit historischen Waffen und Waffentechnik zu beschäftigen", erzählt Uwe Pelzer. Und zu diesen historischen Waffen gehöre eben auch die Steinschleuder. Uwe Pelzer ist inzwischen so sehr in die Materie eingetaucht, dass er sogar Vorträge zum Thema Archäotechnik/Rekonstruktion historischer Waffen hält. Doch eine besondere Geschicklichkeit stellt er nicht nur beim Schleudern der Steine auf eine Zielscheibe unter Beweis.

Mit ebenso geschickten Händen flicht er die Bänder, die sogenannten Huaracas, die zum Schleudern der Steine benötigt werden. "Ich habe mir im Antiquariat ein Buch zu alten Handwerkstechniken gekauft. So habe ich gelernt, diese Bänder zu flechten. Dafür verwende ich in der Regel Alpaka-Wolle. Geflochten werden sie mit einem Gerät, das einer Strick-Liesel ähnelt", erzählt er und zeigt dabei auf die Bänder mit den verschiedensten Mustern. Bis zu 20 Stunden, je nach Muster, braucht er für ein Schleuderseil.

Seit sechs Jahren beschäftigt sich Uwe Pelzer intensiv mit Theorie und Praxis des Schleuderns. Anfangs hat er als Mitglied der Schützengesellschaft Hadmersleben auf dem Schießplatz trainiert, jetzt trainiert er auf dem weitläufigen Areal seines Zuhauses in der Nähe des Hadmersleber Bahnhofs. Je nach Witterung trainiert er täglich eine Stunde, um vor allem eine größere Geschicklichkeit zu bekommen.

Mit seinem Hobby ist er ein Exot - in Deutschland gebe es nur eine Handvoll Schleuderer, die diese alte Kunst als Sport betreiben.

Vom 27. Februar bis 1. März nahm Uwe Pelzer am 2. Internationalen Schleuderer-Treffen in Palma de Mallorca teil. Beim wettkampfmäßigen Schleudern gehe es jedoch nicht um die Weite, sondern um das Zielen. Auf einem Holzbrett mit den Abmaßen 1,20 mal 1,20 Meter befindet sich eine Metall-Zielscheibe, die sogenannte "Diane".

Insgesamt 74 Männer und Frauen nahmen am Meeting in Palma teil. "In der Festung der Stadt fand an einem Tag ein Wettkampf statt, ohne Beteiligung der Balearen. Nur deshalb konnte ich diesen Wettbewerb gewinnen", erzählt Uwe Pelzer. Auf den mitgebrachten Pokal ist er dennoch stolz.

 

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