Magdeburg l Um die Lücken im allgemeinmedizinischen Versorgungsnetz zu stopfen, finanziert die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) ab 2016 insgesamt zwölf angehenden Ärzten das Studium. Partner ist die Privatuniversität Witten-Herdecke in Nordrhein-Westfalen.

Wie KVSA-Chef Burkhard John am Freitag in Magdeburg erklärte, sei dies ein weiterer Baustein bei den Bemühungen, durch gezielte Förderung den künftigen Bedarf an Ärzten vor allem auf dem Land zu decken. "Wir wollen auch ein Signal an die Politik senden, neue Wege zu gehen." Finanziert werden die Studienplätze aus dem seit 2013 existierenden Strukturfonds, in den Kassenärzte und Krankenkassen einzahlen. Er hat ein Jahresvolumen von rund 1,4 Millionen Euro.

In Witten-Herdecke sollen ab Herbst 2016 pro Semester je zwei Landärzte für Sachsen-Anhalt ihre Ausbildung beginnen. Das Programm läuft über drei Jahre. Voraussetzung für einen gesponserten Studienplatz sind das Abitur und erste Erfahrungen im medizinischen Bereich. Dies können ein Praktikum bei einem Arzt oder die Arbeit als Rettungssanitäter sein. John: "Es geht uns darum, dass ein Bewerber für den Hausarzt-Bereich motiviert ist. Die Schulnote wird nicht das Ausschlaggebende sein."

Persönlichkeits- und Motivationstest für Bewerber

Die ersten Bewerbungen nimmt die Kassenärztliche Vereinigung bis zum 24. April 2015 entgegen. Die Interessenten müssen einen Persönlichkeits- und Motivationstest absolvieren. Die erfolgreichsten zehn Bewerber durchlaufen dann das Auswahlverfahren in Witten-Herdecke. Zwei von ihnen können dann zum Herbstsemester 2016 ihr Studium starten. Bedingung: Die Verpflichtung zu mindestens fünfjähriger Tätigkeit als Landarzt in Sachsen-Anhalt. Vorgeschaltet ist die Facharzt-Weiterbildung im Land, die ebenfalls fünf Jahre dauert. Wer abspringen würde, erklärt John, müsse die Studienkosten erstatten.

Warum aber muss es ein Studium in Witten-Herdecke sein, wo es mit Magdeburg und Halle zwei Universitäten mit entsprechendem Angebot im Land gibt? Der Kassenärzte-Chef beteuert: "Wir hatten großes Interesse, dass dies die Unis im Land machen." Dagegen stünde jedoch das strenge Zulassungsrecht. Hermann-Josef Rothkötter, Dekan des Magdeburger Universitätsklinikums, bestätigt gegenüber der Volksstimme Gespräche über eine Landarzt-Quote. "Dies ist jedoch nicht im Staatsvertrag verankert. Den zu ändern, müssten sich alle 16 Bundesländer einig sein."

Wie viel ein Studienplatz in Witten-Herdecke zu zahlen ist, wollte John nicht sagen. Weniger jedenfalls als die "200.000 bis 250.000 Euro pro Jahr", die an deutschen Universitäten üblich seien. Magdeburg ist da deutlich günstiger: Hier kostet das Studium im Jahr derzeit knapp 170.000 Euro.