Das Leben des Reichskanzlers
Otto von Bismarck wurde am 1. April 1815 auf Gut Schönhausen geboren. Ein Jahr später siedelte die Familie nach Gut Kniephof in Hinterpommern über.

Seine Schullaufbahn absolvierte er in Berlin. Nach dem Abitur studierte er Jura, zunächst in Göttingen, dann in Berlin. 1845 zog Bismarck wieder auf das Gut Schönhausen. Im Jahr darauf wurde er zum Deichgrafen für den Bereich zwischen Jerichow und Sandau ernannt, bekleidete nun sein erstes öffentliches Amt.

Von 1862 bis 1890 war Bismarck Ministerpräsident von Preußen, ab 1871 erster Reichskanzler des von ihm maßgeblich mitbegründeten Deutschen Reiches.

Nach seinem Rücktritt am 18. März 1890 zog er sich nach Friedrichsruh im Sachsenwald zurück.

Dort starb er am 30. Juli 1898 und ist dort auch beigesetzt.

Schönhausen l Beim letzten großen Jubiläum, dem 100. Todestag im Jahr 1998, hatte die Landesregierung zum Festakt nach Schönhausen geladen. Jetzt hingegen, zum 200. Geburtstag des Reichsgründers, verzichtet sie auf eine Feierstunde. Die einzige Veranstaltung in Schönhausen ist ein Gedenkgottesdienst der evangelischen Gemeinde.

Schönhausens Pfarrer Ralf Euker bedauert, dass sich die Landesregierung nicht beteiligt. "Wir wollten das nicht allein veranstalten. 200 Jahre Bismarck sind ein so großer Anlass, dass es ein breites Bündnis geben sollte, um das zu würdigen. Aber unser Engagement ist leider nicht aufgenommen worden."

Die vom Bund getragene Otto-von-Bismarck-Stiftung hat sich für einen Festakt in Berlin entschieden. Am Abend des 1. April versammelt sich im Deutschen Historischen Museum die geladene Prominenz. Bundespräsident Joachim Gauck und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sprechen Grußworte, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält die Festrede.

Am 1. April gehöre der Ministerpräsident nach Berlin, argumentiert Regierungssprecher Matthias Schuppe. Nur dort könne Haseloff vor großem Publikum Werbung für Schönhausen machen. Im Bundesrat will das Land zudem in dieser Woche darauf drängen, dass der Schönhäuser Neben-standort der Bismarck-Stiftung erstmals ins Stiftungsgesetz aufgenommen wird.

Das Kultusministerium, federführend für das Bismarck-Jubiläum, hält einen eigenen Festakt des Landes nicht für nötig. Es gebe zahlreiche Vorträge und Ausstellungen, die vom Land gefördert würden, sagte Ministeriumssprecher Martin Hanusch. "Wir wollen in die Breite gehen und dadurch mehr Leute erreichen als mit einem einzelnen Festakt."

Überschattet wird das Gedenken durch die ungeklärte Zukunft von 90 Ausstellungsstücken im Bismarck-Museum Schönhausen, darunter Beutekanonen, Urkunden und Bilder. Die Sowjets hatten sie beschlagnahmt, das Verwaltungsgericht Magdeburg sprach sie vor drei Jahren grundsätzlich der Familie von Bismarck zu. Wo sie künftig ihren Platz finden, ist offen. "Beide Seiten, die Erbengemeinschaft und das Land, sind aber an einer gütlichen Einigung interessiert", sagte Ministeriumssprecher Hanusch. Seite 4