Montabaur (dpa/AFP) l Seinen "Traum vom Fliegen", den habe er sich erfüllen können und teuer mit seinem Leben bezahlt - so hieß es in der Traueranzeige für den Copiloten der Germanwings-Maschine. "Andreas starb als erster Offizier im Einsatz auf dem tragischen Flug", hieß es in der Anzeige des Vereins weiter.

Dass der 27-jährige Andreas L. den Absturz nach Erkenntnissen der Ermittler absichtlich herbeiführte und mit sich 149 andere Menschen in den Tod riss, konnte der Luftsportclub (LSC) Westerwald nicht wissen, als er die Anzeige für den Copiloten ins Internet setzte.

L. lernte das Fliegen im LSC in Montabaur lieben. Lange Jahre stieg er dort in die Flieger und landete sie sicher. Im vergangenen Jahr habe er seine sogenannten Scheinerhaltungsflüge gemacht, sagte der Vereinsvorsitzende Klaus Radke. "Da habe ich ihn als sehr netten, lustigen und höflichen Menschen kennengelernt".

L. wuchs in der Westerwald-Kommune Montabaur auf, in einem ruhigen Wohngebiet im Süden der Stadt, inmitten von Einfamilienhäusern mit Gärten und nicht weit von einem Freizeitbad. Dort ist er auch noch teilweise zu Hause. Auch in Düsseldorf hat er gewohnt. In dieser Wohnung haben Kriminalbeamte am Donnerstag nach Hinweisen auf ein mögliches Motiv oder Anzeichen für eine psychische Erkrankung gesucht. Auch die Durchsuchung des Wohnsitzes in Montabaur steht bevor.

Die Luftaufsicht gab unterdessen bekannt, dass bei den routinemäßigen Sicherheitsüberprüfungen des Copiloten keine Auffälligkeiten festgestellt wurden. Zuletzt sei dem 27-Jährigen Ende Januar bescheinigt worden, dass keine strafrechtlichen oder extremistischen Sachverhalte gegen ihn vorliegen. Auch bei den vorherigen zwei Überprüfungen blieb L. ohne jede belastende Erkenntnis.

Seit September 2013 arbeitete L. als Copilot bei Germanwings. "Er war 100 Prozent flugtauglich, ohne Einschränkungen und Auflagen" sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr. L. habe die Verkehrsflieger-Schule der Lufthansa in Bremen und die Flugschule in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona absolviert.

Wie Spohr schilderte, habe der junge Mann vor sechs Jahren seine Ausbildung für mehrere Monate unterbrochen. "Nachdem die Eignung dann nochmals festgestellt wurde, hat er die Ausbildung wieder aufgenommen." Bevor L. als Pilot ins Cockpit wechseln konnte, arbeitete er elf Monate als Flugbegleiter. Das sei "nicht unüblich", sagte Spohr. Seit 2013 habe Lubitz als Copilot bei Germanwings mehr als 600 Flugstunden Erfahrung gesammelt.

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