Magdeburg (dpa) l Der Verband der Wohnungswirtschaft hält für unumgänglich, dass ungenutzter Wohnraum auch weiterhin weggebaggert wird. "Wir müssen mit den Abrissen weitermachen, eine zweite Leerstandswelle ist schon erkennbar", fordert Verbandschef Jost Riecke.

Bereits jetzt stünden bei den Wohnungsgenossenschaften in Sachsen-Anhalt 12 Prozent der Wohnungen leer, bei weiter sinkenden Einwohnerzahlen. Wegen der niedrigen Mieten im Land hätten viele Immobilienbesitzer einfach nicht genügend Geld - nicht für die Sanierung und nicht einmal für den Abriss.

Stadtentwicklung steigert Einwohnerzahlen

Dieser Umstand spiegelt sich auch in der hohen Nachfrage nach Unterstützung über das Programm "Stadtumbau Ost": Für dieses Jahr seien Anträge auf Förderung mit einem Volumen von 100 Millionen Euro eingegangen, im Topf sind aber nur 37 Millionen Euro.

"Für uns ist die Förderung unverzichtbar", meint der Magdeburger Beigeordnete für Stadtentwicklung, Dieter Scheidemann. Was die Städtebaumittel verändert hätten, könnte man beispielhaft im Stadtteil Buckau sehen. "Da haben wir einen ganzen Stadtteil erneuert und begrünt, mit der Folge, dass wir seit Jahren steigende Einwohnerzahlen dort haben."

"Wir müssen attraktiven Wohnraum anbieten, sonst ziehen alle weg"

74.000 Wohnungen sind laut Landesentwicklungsministerium in Sachsen-Anhalt mit Hilfe des Förderprogramms in den vergangenen 12 Jahren abgerissen worden. Allein in Magdeburg waren es nach Angaben der Stadt gut 12.000, vor allem Plattenbauten am Stadtrand. Das Programm förderte seit 2002 sowohl Abriss als auch Sanierung und Umbau mit gut 585 Millionen Euro. Gut gelöst worden sei der Rückbau etwa in Sangerhausen oder in Stendal-Süd, nennt Verbandschef Riecke Beispiele.

Mehrgenerationenhäuser gegen Vereinsamung

Für ihn ist die Städtebauförderung ein wichtiges Mittel, um den Wegzug aus Sachsen-Anhalt zu bremsen. "Wir müssen attraktiven Wohnraum und ein gutes Umfeld anbieten, sonst stimmen die Menschen mit den Füßen ab und ziehen weg." Paradoxerweise heiße attraktiv in vielen Fällen: Wohnungen abreißen, damit Landstriche nicht veröden.

Städtebau, das heißt vielerorts das Verschwinden von Wohnblöcken, altersgerechter Umbau, schicke Innenstadtgebiete wie in Magdeburg rund um den Domplatz oder die Sanierung von denkmalgeschützten Häusern. Wichtiger wird den Experten zufolge auch sozialer Zusammenhalt und Begegnung.

Als Beispiel nennt das Ministerium für Landesentwicklung das Mehrgenerationenhaus "Neues Leben" in Oschersleben. Dort seien mit 723.000 Euro Förderung altersgerechte und barrierefreie Wohnungen entstanden, es gebe Beratung für langes selbstständiges Wohnen im Alter und gemeinsame Freizeitangebote. Damit solle der Vereinsamung im Alter vorgebeugt werden. Solche Projekte gibt es viele im Land.