Leipzig (dpa) l Die Deutsche Bahn kann in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen während des Lokführerstreiks ein größeres Zugangebot aufrechterhalten als zunächst angenommen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass weniger Lokführer dem Streikaufruf der GdL gefolgt seien.

Einem Bahnsprecher zufolge würden rund 50 Züge mehr fahren, als ursprünglich kalkuliert. So würden unter anderem die Strecken zwischen Halle und Magdeburg, Leipzig und Döbeln sowie Erfurt und Sangerhausen häufiger bedient. Das gleiche gelte für die S-Bahn Linie 7 in Halle. Schon beim letzten von der GDL organisierten Streik vor zwei Wochen seien mehr Lokführer zur Arbeit erschienen als im Vorfeld erwartet, hieß es.

GdL fordert Verringerung der Arbeitszeit

Im Regionalverkehr will die Deutsche Bahn etwa 15 Prozent des normalen Angebots aufrechterhalten, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Die Bahn hat Ersatzfahrpläne aufgestellt. Komplett gestrichen wurden die Verbindungen zwischen Magdeburg und Leipzig, Dresden und Leipzig sowie Dresden und Berlin. ICEs von Berlin über Leipzig nach München sowie von Leipzig in Richtung Frankfurt/Main sollen aber vereinzelt fahren, hieß es.

Es ist der achte Ausstand im laufenden Tarifkonflikt und mit fast sechs Tagen Dauer der längste seit Gründung der Deutschen Bahn 1994. Der Tarifkonflikt der Bahn mit den Gewerkschaften dauert mittlerweile zehn Monate an. Die Bahn hatte zuletzt angeboten, die Löhne vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent zu heben. Dazu sollte eine Einmalzahlung von insgesamt 1000 Euro bis zum 30. Juni kommen. Die Lokführergewerkschaft GDL fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

"Wir wissen, dass die Bahnkunden nicht vor Begeisterung am Bahnsteig stehen und klatschen", sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Er lehnte am Montagabend im Interview der ZDF-Sendung "Wiso" erneut die von der Bahn vorgeschlagene Schlichtung ab. Es gehe um grundgesetzlich geschützte Rechte der GDL-Mitglieder. "Wir lassen nicht über Grundrechte schlichten."

Auch EVG will Streiks nicht ausschließen

Unterdessen schließt auch die Bahngewerkschaft EVG Streiks in der laufenden Tarifrunde nicht aus. Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner bekräftigte am Dienstag im ARD-Morgenmagazin: "Wenn am Ende des Prozesses wir feststellen, dass aufgrund der Eskalation das, was wir wollen, nämlich eine einheitliche Erhöhung für alle Beschäftigten um sechs Prozent und mindestens 150 Euro, nicht realisierbar ist über Tarifverhandlungen, schließen wir natürlich einen Streik auch nicht aus."

Die Gewerkschaft wolle verhindern, dass die unteren Einkommensgruppen im Tarifkonflikt abgehängt werden. "Das sind Kolleginnen und Kollegen, die für 1100 netto und 800 Euro Miete ihr Leben fristen müssen. Da kann es nicht sein, dass einzelne Berufsgruppen versuchen, aus diesem Kuchen, der zu verteilen ist im Bahnkonzern, mehr raus zu holen." Streik sei ein probates Mittel, wenn es am Verhandlungstisch nicht mehr gehe, betonte Kirchner. Im Gegensatz zur GDL streike die EVG allerdings nicht, um Strukturen zu ändern, sondern für mehr Geld.