Magdeburg l Ein bisschen anders hätte sich Thomas Börner das hier schon vorgestellt. "Ich dachte, vorm Hotel steht eine Traube kreischender Teenies", sagt er mit seiner rauchigen Stimme und grinst. Stattdessen sitzt der Bernburger, Spitzname Trompeti, im Warteraum mit nur einem Konkurrenten.

So lebhaft wie im Fernsehen geht es bei der Castingtour zum RTL-"Supertalent" nicht zu. Eher ruhig: Über den Tag verteilt trudeln tröpfchenweise Kandidaten ein. Und vorsichtig: Die freundliche Brünette von der Pressebetreuung setzt sich lieber dazu, wenn man mit Kandidaten spricht.

Trompeti will nicht berühmt werden

Trompeti plaudert trotzdem unbeirrt drauflos. "Wieso ich hier bin? Ich will Dieter Bohlen kennenlernen! Und meine Frau möchte, dass ich ihr bei Guido Maria Kretschmer einen Platz bei \\\'Shopping Queen\\\' klarmache." Aber mal im Ernst: Es geht ihm gar nicht nur um die Jury. Der 45-Jährige ist seit 15 Jahren Berufsmusiker.

Zwar spielt Trompeti nicht Trompete - dafür aber Gitarre, Saxofon, Schlagzeug, und singen kann er auch. In ganz Deutschland tritt er auf, sagt er, allein und in Bands. Zur Walpurgisnacht etwa hat er auf dem Hexentanzplatz gespielt. Wieso will er dann noch ins Fernsehen? "Ich muss gar nicht berühmt werden. Aber mich interessiert, wie das abläuft." Vorbereitet hat er nichts, nur seine Gitarre mitgebracht. "Meine Bandbreite reicht von Roger Whittaker bis Rammstein. Mal sehen, was die wollen."

Uwe Altmann ist schon besser präpariert. In seinen Händen hält er eine gebrannte CD, darauf: der Wendler mit "Sie liebt den DJ", die Karaoke-Version. Ein paarmal zu Hause geübt hat der Thalenser auch, sogar mit Funkmikro. In Sachen Outfit ist er ebenso gewappnet. Seine Jeans ziert auf dem rechten Bein der Aufnäher "Party", auf dem linken "Uwe". Nur obenrum hapert\\\'s. Nix mit dem Wendlerschen schneeweißen Hemd, stattdessen trägt er ein weißes Poloshirt mit Aufdruck. "Meine Hemden waren alle schmuddelig", entschuldigt sich der 54-Jährige. "Und meine Haare wollt\\\' ich eigentlich auch noch machen..."

Auftritt mit dem Diabolo

Egal. Party-Uwe, im wahren Leben Heizungsmonteur, will ja mit seinem Talent überzeugen. Die Freundin seines Kumpels zumindest findet, dass er welches besitzt, sie hat ihn angemeldet. "Ich hatte ihr ein Video von Silvester gezeigt, wo ich Wolfgang Petry singe", erzählt er.

An diesem Tag sitzen ihm beim Casting nur zwei Mitarbeiter der Produktionsfirma gegenüber. Die tun nichts, sondern gucken nur und schreiben mit. Manchmal filmen sie auch, aber nicht fürs Fernsehen. Und wenn sie den Thalenser nun zu Bohlen schicken und der ihn und seine Hose in der Luft zerreißt? "Wenn Dieter sagt, ich bin eine Pfeife, muss ich damit leben. Angst habe ich auf keinen Fall."

Jeremi Rudnick ist nicht ganz so entspannt. Der 19-Jährige aus Magdeburg jongliert mit seinem Diabolo - das Doppelkegel-Ding mit Seil -, seit er acht ist. "Mein größter Auftritt bisher war vor der Schule. Da war ich ganz schön nervös", erzählt er. "Falls ich weiterkomme, wird die Aufregung noch viel größer. Aber ich glaube, das stecke ich weg." Genau wie Trompeti hat auch Jeremi nicht extra geübt, er hat sich nämlich spontan beworben. Vorbereitet ist er trotzdem: Der Schüler trainiert ohnehin dreimal die Woche.

Wie viele Kandidaten am Mittwoch in Magdeburg waren, verrät RTL nicht. Später gibt\\\'s nur eine Gesamtzahl für Deutschland. Auch, wer weiterkommt, ist bisher geheim. Wenn Jeremi nicht dabei ist, geht für ihn die Welt nicht unter, sagt er. Im Sommer fängt er eine Lehre als Schwimmmeister an. Die sind bei uns auf jeden Fall gefragt. Und wenn da mal wer schimpft, sehen das höchstens die Kollegen.

Ausgestrahlt wird die neunte Staffel "Supertalent" ab Herbst auf RTL.

 

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