Chronologie

1921: Das Waschmittelwerk Genthin wird von Henkel als Produktionsstätte für Waschmittel gegründet.

1949: Das Werk wird zum VEB. Ab 1968 wird das Waschmittel Spee produziert.

November 1990: Henkel erwirbt das Werk von der Treuhandanstalt zurück.

2007: Henkel verlegt die Produktion nach Düsseldorf.

2009: Die Alambeigi-Brüder treten in Erscheinung. Die Hansa Group kauft das Werk. 2012 geht eine neue Tensid-Anlage in Betrieb.

Juli 2014: Die Hansa Group stellt Insolvenzantrag. Im November kaufen die Alambeigi-Brüder mit der Gemini Holding das Werk. Es gibt eine Bestandsgarantie bis 2016.

22. April 2015: Razzia im Waschmittelwerk Genthin und an anderen Standorten der insolventen Hansa Group. Die Alambeigi-Brüder werden verhaftet. Sie sollen Bilanzen gefälscht haben.

6. Mai 2015: Gemini meldet Insolvenz an.

Genthin l Der Betriebsrat des Waschmittelwerks Genthin ließ am Mittwochnachmittag beim zuständigen Amtsgericht in Duisburg eine sogenannte Schutzschrift hinterlegen. Das bestätigte Gerichtssprecher Rolf Rausch auf Anfrage. Sofern das Gericht dieses Dokument akzeptiert, hätten die Mitarbeiter im anstehenden Insolvenzverfahren ein Mitspracherecht.

Denn Gemini steht auch bei den Genthiner Beschäftigten in der Kreide. Für den Monat April gab es kein Gehalt mehr. Am Mittwoch erklärten Gemini und die Tochtergesellschaft Luhns ihre Zahlungsunfähigkeit. Bei den Mitarbeitern in Genthin ist die Erinnerung an den Juli des vergangenen Jahres noch frisch. Der damalige Eigentümer Hansa Group reichte Insolvenz ein. Es folgte ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, an dessen Ende der Verkauf des Werks in Genthin und anderer Standorte in Nordrhein-Westfalen an die Gemini-Holding stand. An ihr sind die Brüder Khodayar und Zolfaghar Alambeigi beteiligt, die zuvor auch bei der Hansa Group die Fäden zogen.

"Die Mitarbeiter fühlten sich bei der Eigenverwaltung nicht ausreichend in ihren Interessen geschützt", sagte Erhard Koppitz, Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Um den Standort zu erhalten, sollte es das Ziel sein, die Insolvenz nicht in Eigenverwaltung durchzuführen, heißt es auch aus dem Wirtschaftsministerium. "Das Waschmittelwerk Genthin braucht ein belastbares Zukunftskonzept mit einem seriösen Investor. In die Suche nach potentiellen Investoren wird sich das Ministerium aktiv einbringen", erklärte Staatssekretärin Tamara Zieschang (CDU).

Seit Monaten keine Tenside mehr produziert


Die 132 Mitarbeiter in Genthin hoffen darauf, dass das Gericht schnell einen Insolvenzverwalter bestellt. "Unser Wunsch ist, dass möglichst rasch Insolvenzgeld an die Mitarbeiter überwiesen wird", sagte Betriebsratschef Olaf Thiele.

Am Mittwochmittag erreichte die Nachricht der Insolvenz Geminis die Beschäftigten. "Wir waren entsetzt, obgleich wir damit gerechnet hatten", erklärte Thiele. Seit Monaten wurden die Tenside, die als Weichmacher für Waschmittel dienen, nicht mehr produziert. Die Belegschaft wünsche sich nun einen Investor, der "über einen langen Zeitraum verlässlich ist".

Vor zwei Wochen durchsuchte die Staatsanwaltschaft das Werk und andere Standorte. Die Alambeigi-Brüder sitzen seitdem in Haft. Ihnen wird Bilanzfälschung vorgeworfen. Auch für Sachsen-Anhalt haben die Alambeigi-Geschäfte ein Nachspiel. Nach der Hansa-Insolvenz forderte die Investitionsbank Fördermittel in Höhe von 9,1 Millionen Euro zurück. Bis heute wartet das Land auf die Rückzahlung.