Halle/Magdeburg l Millionen Objekte dämmern in Abstellkammern und Kellerräumen deutscher Universitäten vor sich hin. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) will diese Sammlungen mit einem 7,5-Millionen-Euro-Programm neu erschließen. "Wir wollen dazu beitragen, dass diese Schätze gehoben werden", sagte sie am Montag in Halle.

Die dortige Martin-Luther-Universität (MLU) etwa hütet eine weltweit einzigartige Sammlung von 6000 Nutztierskeletten, säuberlich verpackt in Kisten und Kartons. Ab 1865 wurden die Knochen zusammengetragen, dazu Wollproben und Tausende historischer Fotoglasplatten. Die Vorfahren der heutigen Haustierrassen sind so präzise dokumentiert. "Interessant wäre, das mit modernen Tieren genetisch zu vergleichen", sagt Halles Sammlungs-Chef Frank Steinheimer.

Mit einem solchen Forschungsprojekt möchte sich die Uni um Fördergeld aus dem Forschungsministerium bewerben. Uni-Rektor Udo Sträter ahnt allerdings, dass auch andere Wissenschaftler seiner Hochschule den Finger heben werden - 40 Sammlungen betreut allein die MLU. "Das wird ein harter interner Wettbewerb", sagte Sträter.

Von anderen Unis ganz zu schweigen. Mehr als 800 wissenschaftliche Sammlungen an 80 Universitäten gibt es in Deutschland. Selbst junge Hochschulen bewahren Zeugen der Vergangenheit auf. An der Uni Magdeburg etwa lagern 10000 Titel einer literaturhistorisch interessanten Privatbibliothek. Die Fachhochschule Magdeburg-Stendal wiederum besitzt den Nachlass des Kriegsfotografen Horst Faas mit Tausenden Fotodokumenten aus Vietnam.

Maximal 500000 Euro kann ein einzelnes Vorhaben vom Bund einwerben. Ob Natur- oder Geisteswissenschaft - thematisch gibt es keine Einschränkung. Das Geld ist allerdings nicht für Sanierungen vorgesehen, sondern für Ideen, wie die Artefakte für die Forschung und Lehre nutzbar gemacht werden können.

Johanna Wanka will Erbgut der Funde untersuchen lassen

Wanka schwärmt von neuen Erkenntnismöglichkeiten. Die DNA der halleschen Haustierknochen könnte heute Dinge verraten, die man am Beginn der Sammlung gar nicht erahnen konnte. Tatsächlich sind die Erbgut-Informationen ausgezeichnet erhalten, obwohl alle Knochen in Seifenlauge ausgekocht wurden.

Ein kleiner Teil der Sammlung wird in einem Museum präsentiert. Zu sehen sind etwa ein Präparat des größten Wildesels der Welt, Mufflon-Schädel mit gewaltigen Hörnern oder das konservierte Herz des Hengstes "Dark Ronald", der Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem königlich-preußischen Hauptgestüt Graditz lebte und Ahnherr fast sämtlicher heutigen Rennpferde ist.

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