Förderlücke kostet Firmen Millionen-Umsätze

Grundsätzlich haben Unternehmen kein Recht auf staatliche Forschungsförderung. Sie liegt aber im Interesse aller in Sachsen-Anhalt, weil die kleinen Firmen hier kaum aus eigener Kraft forschen können.

Die einjährige Förderlücke hat nach Angaben der TTI Magdeburg GmbH bei Unternehmen ein Schaden von geschätzt 100 Millionen Euro hinterlassen. Firmen im Bereich Medizintechnik seien demnach Umsätze von zehn Millionen Euro entgangen. Den Unternehmen im Bereich Sondermaschinen- und Anlagenbau sind wegen nicht realisierter Forschung etwa 27 Millionen Euro entgangen.

Je nach Unternehmensgröße und Thema schwanken die einzelnen Verluste durch entgangener Umsätze zwischen 150 000 Euro und zwei Millionen Euro.

Die Firmen haben aber nun wieder die Möglichkeit, Gelder zu beantragen, mögliche Schäden zu minimieren. Nähere Infos hierzu gibt es unter: www.ib-sachsen-anhalt.de

Magdeburg l Jedes zweite Unternehmen in Sachsen-Anhalt hat weniger als zehn Mitarbeiter. Für viele Firmen ist es daher schwierig, Forschungsprojekte aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Sie sind auf staatliche Förderung angewiesen, wenn es darum geht, neue Produkte auf den Markt zu bringen. Um so ärgerlicher ist es, wenn es mit der Förderung hapert.

Ein Jahr lang haben die Unternehmen nun auf Gelder aus dem europäischen Strukturfonds EFRE verzichten müssen. Der Grund war eine fehlerhafte Vergabe von Mitteln durch das Land in der Förderperiode zwischen 2007 und 2013. Brüssel hatte rund 30 Projekte aus dieser Zeit beanstandet und die Landesregierung unter anderem dazu aufgefordert, eine neue Prüfstelle beim Finanzministerium einzurichten, die künftig die Förderprojekte verantwortet und kontrolliert.

Von der EU bekam das Wirtschaftsministerium die Richtlinien für die neue Förderperiode 2014 bis 2022 dann im vergangenen Dezember zugestellt. Es vergingen noch mal fünf Monate, erst an diesem Dienstag konnte Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) nun offiziell grünes Licht für die Förderung neuer Forschungsprojekte geben.

Hängepartie kostet Firmen 100 Millionen Euro


Unternehmensberater Günther Ihlow von der TTI Magdeburg GmbH kritisiert, dass mehr als 30 Unternehmen lukrative Geschäfte entgangen seien, weil sie Forschungsprojekte wegen ausgebliebener Fördergelder nicht wie geplant umsetzen konnten. Er selbst berät Firmen beim Beantragen von Fördermitteln und hat die Misere übers Jahr miterlebt. Seiner Ansicht nach dürfte der Schaden aufgrund ausgebliebener Umsätze bei rund 100 Millionen Euro liegen. "Denn ein Fördergeld-Euro löst später in der Regel sieben bis acht Euro Umsatz aus", erklärt er.

Strittig wird wohl bleiben, ob die Hängepartie hätte verhindert werden können. Grüne und Linke im Landtag werfen Minister Hartmut Möllring fehlendes Engagement vor. Ihr Vorwurf: Ähnlich wie Sachsen hätte auch Sachsen-Anhalt die Durststrecke finanziell überbrücken können. Möllring erklärte hierzu am Dienstag, dass eine Zwischenfinanzierung nicht möglich gewesen wäre. "Das Land hätte Forschungsprojekte dann aus eigenen Mitteln finanzieren müssen, im Gegensatz zu Sachsen hatten wir dafür aber kein Geld im Haushalt", so Möllring.

Trotz allem - bis 2022 stehen nun wieder 152 Millionen Euro bereit. Interessierte Firmen können ab sofort Anträge bei der Investitionsbank stellen. Neu ist unter anderem, dass außeruniversitäre Forschungseinrichtungen ihre Projekte künftig zu 100 Prozent fördern lassen können, 23 solcher Einrichtungen gibt es landesweit. Außerdem können Firmen leichter Personalkostenzuschüsse für zusätzlich eingestellte Hochschulabsolventen beantragen.

Sachsen-Anhalt fördert wieder Patentanmeldungen


Wieder eingeführt wurde die Patentförderung. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Handwerksbetriebe, die Fördermittel für ein Forschungsprojekt erhalten, können sich ab sofort auch die Patentanmeldung mit bis zu 25.000 Euro fördern lassen - ein großer Wunsch der hiesigen Wirtschaft ist damit in Erfüllung gegangen. Zuletzt war Sachsen-Anhalt bei Patenten im Bundesvergleich Schlusslicht, auch weil sich die Firmen die Anmelde-Kosten oft nicht leisten können.

Neben der Innovationsförderung hat Wirtschaftsminister Hartmut Möllring auch grünes Licht für die Gründerförderung gegeben. Bis 2022 stehen 53 Millionen Euro unter anderem für Gründerstipendien, Zuschüsse für Weiterbildungen und Machbarkeitsstudien bereit. Weitere zehn Millionen Euro gibt es für Existenzgründerdarlehen.