Halberstadt (bk/vs). Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) hat am Sonnabendvormittag im Halberstäder Dom der Opfer des Zugunglücks bei Hordorf gedacht. "Unser Beileid gehört den Angehörigen, die noch fassungslos sind angesichts des Verlustes", sagte der Ministerpräsident vor rund 1000 Trauergästen im vollbesetzten Gotteshaus. Das Mitgefühl gelte auch den Verletzten, die sicher noch lange brauchen würden, die schrecklichen Erlebnisse aus der Erinnerung zu verbannen. Ihnen wünschte Böhmer eine schnelle und möglichst weitgehende Genesung.

Böhmer dankte auch den zahlreichen Helfern, die sich nach dem Unglück engagiert hatten. Insbesondere im Ort Hordorf habe es eine große Welle der Hilfsbereitschaft gegeben, die tief beeindruckt habe, sagte Böhmer. Hordorf sei daher nicht nur ein Ort des Erschreckens. "Es ist auch zu einem Ort gelebter Mitmenschlichkeit geworden", sagte Böhmer. Der Ministerpräsident warnte zudem vor vorschnellen Schuldzuweisungen und davor, das Unglück in der politischen Diskussion zu missbrauchen.

Ilse Junkermann, Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, sprach davon, dass sich die Bilder des vergangenen Sonnabends tief in das Gedächtnis eingegraben hätten. "Mit einem Mal war nichts mehr so wie es war." Man sei zusammengekommen, um den Schmerz auszusprechen, der unaussprechlich sei. Junkermann betonte, dass es allerdings eine Sprache gebe, die jeder verstehe, "die Sprache des Lichts der Kerze". "Für jeden Verstorbenen brennt in unserer Mitte eine Kerze, die sagt, in eurem Tod seid ihr nicht allein", fügte die Theologin an.

Gerhard Feige, katholischer Bischof von Magdeburg, und eine Gruppe von Helfern hielten während des Gottesdienstes Fürbitten, unter anderem auch für den unter Verdacht geratenen Lokführer des Güterzuges: "Wir bitten für ihn und den Weg der vor ihm liegt und befehlen ihn deiner Barmherzigkeit an." Den Schluss machte ein Moment der Stille.

Zu der Trauerfeier im Dom zu Halberstadt waren neben Angehörigen der Opfer, Helfer, Vertreter von Bundes- und Landesregierung, des Landtags von Sachsen-Anhalt sowie der evangelischen und der katholischem Kirche auch Bahnchef Rüdiger Grube und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer gekommen.

Lesen Sie ebenfalls am Montag in Ihrer Volksstimme über die Trauerfeier im Halberstädter Dom.