Ahlsdorf. Stehend und mit einem nicht enden wollenden Applaus bedachten am Freitagabend rund 450 SPD-Anhänger den scheidenden CDU-Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer auf dem Neujahrsempfang des SPD-Ortsvereins "Grunddörfer" in Ahlsleben. Seit 1996 sind diese Empfänge in der Dorfgemeinschaft bei Eisleben im Landkreis Mansfeld-Südharz regelmäßig ein politischer und kultureller Höhepunkt. Initiator ist der heutige Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD), der in Ahlsleben zu Hause ist. Landes- und Bundesgrößen, wie die früheren Minister Manfred Püchel und Klaus Schucht sowie Berlins Regierungschef Klaus Wowereit und der damalige Vizekanzler Franz Müntefering waren schon Gast kurzweiliger Talkrunden mit Bullerjahn.

Böhmer ist der einzige Ehrengast, den die Genossen zum zweiten Mal nach 2004 eingeladen haben. "Es war mir ein Bedürfnis zu kommen", sagte der Regierungschef denn auch gleich zu Beginn. "Ich erinnerte mich an die gute Wurst und die Fettbemmen und habe zugesagt." Von beidem gab es wieder reichlich und dazu noch Erbsensuppe mit Würstchen.

Nach der Stärkung mit der deftigen Hausmannskost stellten sich Böhmer und Bullerjahn auf der Bühne den Fragen von SAW-Redakteur Wolfgang Borchert. Spätestens hierbei wurde deutlich, warum die Neujahrsempfänge des kleinen Ortsverbandes so für Furuore sorgen.

Bullerjahn, so heißt es im Saal, ist ein witziger Plauderer, der sich zu einem der profiliertesten Politiker des Landes entwickelt hat. "Herr Bullerjahn ist mit seinen Aufgaben gewachsen", lobte ihn Böhmer und fügte hinzu: "In einer für mich beeindruckenden Weise." Bullerjahn sparte nicht mit Elogen über seinen Noch-Chef und verwies auf "viel persönliches Miteinander", das in den vergangenen fünf Jahren wie eine "Brücke" gewesen sei. "Das darf man nicht alles hinschmeißen."

Für den Moderator war die überzeugend zur Schau gestellte "Liebe" zwischen einem CDU- und einem SPD-Politiker natürlich eine Steilvorlage für die Frage nach dem "Kuschelwahlkampf", die gerade jetzt wenige Wochen vor der Landtagswahl am 20. März viel diskutiert wird. "Wenn wir uns kloppen, sind wir schnell die Idioten, vertragen wir uns, sind wir die Provinzeier", meinte Böhmer dazu. Außerdem sei "Kuschelwahlkampf" der "Kampfbegriff einer Skandalisierungspresse". Journalisten dürften nach solchen Dingen suchen, aber, so Böhmer: "Politiker dürfen sich davon nicht leiten lassen." Bullerjahn sah das ähnlich und betonte erneut, dass man "fair miteinander" umgehen wolle. Beide verwiesen auf die zahlreichen Erfolge der großen Koalition seit 2006 in Sachsen-Anhalt und ließen durchblicken, dass es in dieser Konstellation weitergehen könnte.

Zum Abschied gab es Geschenke für Böhmer, der vor wenigen Tagen seinen 75. Geburtstag feierte. Neben der Torte, die Böhmer wegen des "Hüftgoldes" im Saal verteilen ließ, einen Gutschein vom Brockenwirt, zehn Rosenstöcke von Bullerjahn, lebenslang ein jährliches Wurstpaket und natürlich viele gute Wünsche für das Rentnerdasein. Ob er denn noch etwas außer Faulenzen machen werde, wollte der Radiomann wissen. "Das werden wir abwarten. Aber ich würde nicht nein sagen, wenn mir so ein Job angeboten wird, wie ihn der ehemalige Kanzler Schröder jetzt hat", schmunzelte Böhmer.