An der Universitätsklinik Halle sind erstmals in Sachsen-Anhalt vier Patienten, die unter Bluthochdruck leiden, erfolgreich mit einer weltweit wenig angewendeten Methode behandelt worden. Dabei wurden bei ihnen die den Bluthochdruck verursachenden Nierennerven verödet.

Halle. Die Nierenablation (Verödung) dauert 30 bis 60 Minuten und wird unter örtlicher Betäubung ähnlich einer Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, erklärt Dr. Alexander Plehn, Kardiologe der Uniklinik für Innere Medizin III der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, den risikoarmen Eingriff. "Nach der Behandlung kommt es in den folgenden Monaten zu einer erheblichen Blutdrucksenkung."

Das Verfahren werde derzeit bei Patienten eingesetzt, die trotz einer medikamentösen Mehrfachkombination (mindestens drei Medikamente) noch immer hohe Blutdruckwerte (über 150mmHg) haben. "Die Zulassungsstudien bei einem Nachbeobachtungszeitraum von zwei Jahren", so Plehn, "zeigen einen dauerhaften Effekt der Behandlung."

Schlaganfall, Herzinfarkt, Durchblutungsstörungen in den Beinen – am Anfang solcher Erkrankungen steht meist ein zu hoher Blutdruck, weiß der Kardiologe. "Bluthochdruck, auch leiser Killer genannt, ist die Volkskrankheit schlechthin und eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland." Bei Patienten, die an einem schweren Bluthochdruck leiden, sei die Regulation des sympathischen Nervensystems ("Stressnerven") häufig gestört, und die Niere schütte infolgedessen vermehrt Stresshormone wie beispielsweise Adrenalin aus. "Diese überaktiven Nierennerven, die den Bluthochdruck verursachen, können nun neuerdings per Katheter mittels Hochfrequenzstrom verödet und somit ausgeschaltet werden", sagt Plehn. Auf einem in Chicago veranstalteten Kongress der American Heart Association seien Ergebnisse einer internationalen Studie vorgestellt worden, die den Erfolg der Methode belegen würden. Eine Veröffentlichung erfolgte im Fachmagazin "The Lancet".

Im Zentrum der Behandlung von Bluthochdruck steht seit Jahrzehnten die medikamentöse Therapie. Trotz einer Vielzahl verfügbarer Bluthochdruckmittel hätten jedoch etwa 60 Prozent der behandelten Patienten weiterhin erhöhte Blutdruckwerte, ist die Erfahrung von Ärzten. "Diese Patienten sind auf Dauer einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko ausgesetzt, weshalb innovative alternative Therapieansätze notwendig sind", sagt Plehn.

Bisher nur in wenigen Zentren weltweit verfügbar, stelle die Nierenarterienablation ein vielversprechendes therapeutisches Konzept dar. "Die Unikliniken für Innere Medizin II und III in Halle eröffnen mit der renalen Symphatikusablation als erstes Zentrum in Sachsen-Anhalt diesen Patienten ein neues Therapiekonzept, das zudem eine relativ geringe Komplikationsrate aufweist", so Plehn. Es werde erwartet, dass Spätschäden des Bluthochdrucks wie Schlaganfälle, Herzinfarkte und Nierenversagen gemindert werden können.

Fast die Hälfte der Europäer leidet an Bluthochdruck und muss täglich Medikamente einnehmen. Das sei teuer und mit Nebenwirkungen verbunden. Die neue Methode verspreche eine großer Verbesserung.