Die Aufbauarbeiten für die ZDF-Sendung "Wetten, dass ..?" laufen auf Hochtouren. Wenn Moderator Thomas Gottschalk morgen Abend Gäste wie Schauspieler Jan Josef Liefers und Sänger Udo Lindenberg in Halle begrüßt, haben 250 Mitarbeiter alles getan, damit die Jubiläumsausgabe reibungslos abläuft. Die Volksstimme hat sich hinter den Kulissen umgeschaut.

Halle/Saale. Security-Mitarbeiter sind an den Toren der Halle-Messe in Bruckdorf postiert, genießen die Sonne über Halle und lächeln freundlich. Von dem pulsierendem Leben in der Halle bekommen sie nichts mit. "Es herrscht Helmpflicht, die Aufbauarbeiten sind noch nicht abgeschlossen", sagt Peter Gruhne, Pressesprecher von "Wetten, dass ..?" zur Begrüßung. Hinter einem dunklen Gang öffnet sich der Vorhang einen Spalt, die berühmte Couch blitzt auf. Laute Bohrgeräusche und Hämmern haben die Halle eingenommen, ein buntes Farbenspiel wechselt sich ab. Willkommen in der anderen Welt von "Wetten, dass ..?", von dem der Fernsehzuschauer nichts mitbekommt, wenn Moderator Thomas Gottschalk morgen Abend wieder ein Millionenpublikum begrüßt.

Etwa 250 Mitarbeiter sind seit Tagen damit beschäftigt, 18 Lkw-Container zu entladen, 25 Kilometer Kabel zu verlegen und 500 Scheinwerfer in Position zu bringen. "Das ist eine feste Truppe, jeder Handgriff sitzt", so Gruhne beim Gang hinter die Bühne. Große Trucks haben die Bühnenbilder nach Halle gebracht, nachdem sie in München von Bühnenbildner Florian Wieder abgestimmt auf die jeweiligen Wetten und musikalischen Gäste innerhalb von vier Wochen entworfen und von den Bavaria-Studios fertiggestellt worden sind. "Jedes Bild besticht durch seine kleinen Feinheiten und Details." Ein Braukessel aus Pappe, hunderte alte Bierflaschen, eine Art Pavillon und ein überdimensionaler Wurm, aufgemalt auf einer Holzwand, lassen erahnen, dass es sich hierbei um Requisiten der Wetten handelt.

Sie werden nach dem Unfall von Samuel Koch unter besonderer Beobachtung stehen. Der Wettkandidat war während der vergangenen Ausgabe in Düsseldorf bei dem Versuch, mit Federn unter den Füßen fahrende Autos zu überspringen, verunglückt - und ist, wie gesern bekannt wurde, nicht mehr auf der Intensivstation und macht in der Reha bereits Fortschritte. Ein Bewertungssystem von 0 bis 3 solle künftig Risikowetten ausschließen, erklärt der ZDF-Sprecher. Ob dann nicht die Spannung Wetten fehle? "Nervenkitzel ist das eine, Sicherheit das andere. ¿Wetten, dass ..?‘ ist die sympathische Sendung mit Wetten, die auch am Stammtisch entstehen, die auf jeden Fall sehenswert sind. Dauerhaft eben, ohne sportive Wetten", informiert Peter Gruhne. Thomas Gottschalk werde sich anfangs der Sendung zum Unfall äußern und habe deshalb darauf verzichtet, sich im Vorfeld zu "Wetten, dass ..?" zu äußern. "Ihm ist es wichtig, sich unmittelbar und nicht über die Medien an das Publikum wenden. Und das möchte er in der Sendung selbst." Zudem lebe die Sendung auch von den Gästen, so Gruhne weiter.

Zu ihnen wird neben dem Schauspielerpaar Anna Loos und Jan Josef Liefers sowie Kollegin Maria Furtwängler auch das Model Naomi Campbell auf der Couch von Thomas Gottschalk morgen Abend Platz nehmen. Bevor die Stars durch den Tunnel die Halle betreten, werden sie hinter der Bühne mit einem Mikrofon verkabelt, die von einem Techniker vorbereitet werden. Gruhne: "Thomas hat natürlich das Mikrofon mit der Nummer 1."

Überhaupt sei der Platz hinter den Kulissen das Herzstück des beliebten Formats. Auch wenn sich dies vor der Generalprobe heute schlecht vorstellen lässt: Mitarbeiter schrauben an einer Art Kuppel mit Leuchtröhren, Kabel werden verlegt, Kunststoffbäume stehen im Weg und die Technik wird eingerichtet. Das Wichtigste steht aber bereits, sagt Peter Gruhne. "Die Couch und der sendungstypische Hintergrund sind immer spätestens bis Mittwoch hergerichtet. Dann ist die Bauabnahme." Die Proben für die Wetten laufen seit gestern. Weniger Zeit nehmen die Künstler für sich in Anspruch. Wann die wiedervereinte Band Take That um Sänger Robbie Williams in Halle eintrifft, ist Peter Gruhne nicht zu entlocken. Auch nicht, in welchen Hotels die Stars nächtigen werden wie die Extra-Wünsche aussehen. "Gehen Sie davon aus, dass Sie sich bei uns und in Halle wohlfühlen werden. Natürlich werden auch Halloren-Kugeln dabei sein."

Jeder der Prominenten ist im Containerdorf in der Nebenhalle untergebracht. Von luxuriöser Ausstattung ist in den etwa 15 Quadratmeter großen grauen Räumen allerdings keine Spur: Zwei Stühle, zwei Ledersessel, ein Tisch und ein Stehspiegel. Mehr nicht. Im Innenhof der Star-Siedlung können sich die Wettpaten und Musiker auf bequemen Sofas austauschen. Eine provisorische Essenstheke ist noch nicht gefüllt. Gegenüber ist ein kleines Studio für Backstagesberichte von "Wetten, dass ..?". Viel Zeit wird ihnen allerdings nicht bleiben. "Wir haben einen engen Plan für die Maske", klärt der ZDF-Sprecher auf.

Von dort geht es am Regiebüro, ein großer Truckanhänger, vorbei hinter die Bühne. Und dann eine kleine Treppe hinauf durch den in warmen Farben gehaltenen Tunnel in die ausverkaufte Halle. Sechs Stufen geht es hinab für die Prominenten, um unter dem Applaus der 2600 Zuschauer von Thomas Gottschalk geherzt zu werden. Neun Schritte, um auf der Couch neben Assistentin Michelle Hunziker Platz zu nehmen. Hier hat Manfred Wünsche den Tisch präpariert. "Ich habe die drei Monitore eingestellt, damit sie einsatzbereit sind", sagt der Techniker. Etwa 26 Schritte über den schwarz-glänzenden, leicht knartschenden Fußboden und Thomas Gottschalk steht inmitten der Zuschauerränge.

Vom Zuschauer aus gesehen auf der linken Seite wird das Bühnenbild für den Auftritt von Chansonier Max Raabe vorbereitet: auf der Leinwand, ein geschwungener Bogen, prangt bereits der Titel "Küssen kann man nicht alleine", weiße Stühle sind höhenversetzt im Halbkreis aufgestellt. Bunte Leuchtröhren umhüllen das Bild.

Auf der anderen Seite des Saales befindet sich die Bühne der Wetten. Vier Stücke werde es geben, "die sehr abwechslungsreich sein werden", so Gruhne. Jede habe den Wetttest bestanden. Zusätzliche Spannung verspreche die Stadtwette, die nach einer Pause wiederbelebt wird. Sie wird auf dem Markplatz der Saalestadt präsentiert. Dazu hat der Sender aus Mainz gebeten, den Uhrenschlag und das Glockespiel des Roten Turmes in der Zeit von 18 bis 24 Uhr abzustellen. Das heiße aber nicht, dass der Moderator die Sendezeit so lange überziehen werde. "Thomas Gottschalk ist ein sehr spontaner Mensch. Er entscheidet aus dem Bauch heraus und das eigentlich immer richtig. Im übrigen lässt sich das nicht vorplanen. Das hängt immer davon ab, wie die Gespräche und Wettaktionen verlaufen", sagt Gruhne schmunzelnd.

Die erste Ausgabe Deutschlands erfolgreichster Fernseh-Show wurde am 14. Februar 1981 mit Moderator Frank Elstner ausgestrahlt. Das ZDF begreife die gesamte Staffel als Jubiläumsstaffel. Peter Gruhne: "Insofern wäre die Sendung aus Halle die eigentliche Jubiläumssendung."

Mehr Bilder hinter den Kulissen von "Wetten, dass ..?" sind im Internet zu finden:

www.volksstimme.de/sachsenanhalt

 

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