Der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll aus Karlsruhe hat gestern Nachmittag in der Nähe von Bad Kösen im Burgenlandkreis die Landesgrenze zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt passiert. Auf seiner Weiterfahrt wurde der Zug in der Nähe von Schkopau südlich von Halle von zwei Aktivisten der Umweltorganisation "Robin Wood" gestoppt.

Magdeburg (dapd/dpa). Nach Angaben der Umweltschützer hatten sich die Atomkraftgegner von einer Eisenbahnbrücke abgeseilt. Sie legten auf der Brücke über die Saale Stahlseile auf die Gleise und ließen sich daran in die Tiefe, wie die Polizei und die Umweltschutzorganisation Robin Wood mitteilten. Der Zug hielt auf der Brücke an, weil er sonst das Leben der beiden Männer gefährdet hätte. Die Polizei rückte mit Spezialkräften aus, um die Demonstranten in Sicherheit zu bringen. "Das ist kein Kavaliersdelikt", sagte der Sprecher der Bundespolizei, Stefan Perschall. Die Demonstranten müssen nun mit einer Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr rechnen. Von dem Halt war laut Polizei auch der normale Bahnverkehr betroffen. Reisende hätten mit Verspätungen zu rechnen. Der Zug hatte rund eine Stunde auf der Brücke gestanden. Die Landespolizei war mit 800 Beamten im Einsatz.

Am späten Abend hatte der Castor-Transport Magdeburg erreicht. Dort wurde die Diesellok aufgetankt. Zudem wurde das Personal gewechselt und der Zug technisch überprüft, wie ein Polizeisprecher berichtete. Nach etwas mehr als einer Stunde konnte er seine Fahrt fortsetzen.

Der Zug, der gestern am frühen Morgen das Gelände der ehemaligen Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe verlassen hatte, transportiert fünf Castor-Behälter nach Mecklenburg-Vorpommern in das Zwischenlager nahe Lubmin, das von der bundeseigenen Energiewerke Nord GmbH (EWN) betrieben wird. In den Castoren sind 56 Tonnen radioaktiver Abfall aus der vor zwei Jahrzehnten stillgelegten WAK. Der früher als "Atomsuppe" bezeichnete stark strahlende Müll wurde verglast, um ihn transportfähig zu machen. Der Zug soll heute im Zwischenlager in Lubmin eintreffen.

Trotz Gleisblockaden und Protesten von Hunderten Atomkraftgegnern war der Castor-Transport aus Karlsruhe ungehindert auf die Reise gegangen. Die Polizei löste eine Gleisblockade von Castor-Gegnern im Karlsruher Stadtteil Neureut auf. 310 Demonstranten wurden dabei in Gewahrsam genommen. Gegen zehn von ihnen soll ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden. Die Protestaktion verzögerte den Zeitplan für den Transport nach Polizeiangaben nicht. Der Castor-Transport passierte problemlos Bayern. Zwischenfälle habe es entlang der Strecke durch den Freistaat nicht gegeben, sagte ein Polizeisprecher.