Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit ist das neue Gebäude des Landeshauptarchivs in Magdeburg übergeben worden. Mit der symbolischen Schlüsselübergabe an Innenminister Holger Hövelmann (SPD) und Bauminister Karl-Heinz Daehre (CDU) ist das laut Innenministerium "größte Archivbauvorhaben in Sachsen-Anhalt seit mehr als 100 Jahren" abgeschlossen worden.

Magdeburg (dapd). Weil das alte Landeshauptarchiv in der Hegelstraße aus allen Nähten platzte und den heutigen Anforderungen nicht mehr entsprach, wurde der Ausbau einer Kaserne aus dem Jahr 1899 mit benachbartem Neubau geplant. In dem Kasernengebäude entstanden neben Büros moderne Lese- und Veranstaltungsräume. In einem Magazin-Neubau ist Platz für die mehr als 40 000 Urkunden, 100 000 Karten, 25 000 laufenden Meter Akten und anderen historisch wertvollen Unterlagen. Insgesamt wurden in das neue Archiv fast 24 Millionen Euro investiert.

Der Umzug in das neue Landeshauptarchiv war über mehrere Jahre vorbereitet worden. In dieser Zeit wurde ein Großteil der Archivalien in die Kartons verpackt, in denen sie auch weiterhin bleiben sollen. "Die Unterlagen wurden bei dieser Gelegenheit gereinigt, und sie werden auch die nächsten hundert Jahre in den Kartons bleiben. Das ist die beste Art der Aufbewahrung. Die Kartons schützen vor Staub, Licht, mechanischer Beschädigung und sind selbst säurefrei", sagte die Leiterin des Archivs, Ulrike Höroldt. Sie fügte hinzu: "Dokumente, die so verpackt waren, haben fast alle den Einsturz des Kölner Archivs überstanden."

Tausende Kartons müssen noch von der Hegelstraße ins neue Domizil in Cracau gebracht werden. Die Kartons sind mit Signaturen gekennzeichnet. Höroldt schätzte ein, dass der Umzug noch einige Wochen in Anspruch nehmen wird. Im neuen Archiv finden die Mitarbeiter dann optimale Bedingungen.

Im neuen Magazin werden Dokumente aller Art aufbewahrt, das älteste ist eine Urkunde von Ludwig dem Kind aus dem Jahr 902. Insgesamt verwahrt das Landeshauptarchiv an vier Standorten in Magdeburg, Merseburg, Dessau-Roßlau und Wernigerode mehr als 46 000 laufende Meter Archivgut zur Landesgeschichte. Dieses reicht von ottonischen Pergamenturkunden über brandenburgisch-preußische Verwaltungsakten, Überlieferungen aus der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, Akten aus Staat, Partei und Wirtschaft der DDR bis hin zu Gesetzesurschriften aus jüngster Zeit.

Hövelmann sagte, das Archiv werde sein "Profil als Haus der Landesgeschichte und als historischer Lernort für die junge Generation" konsequent weiterentwickeln. Der Minister zeigte sich erfreut, dass es erstmals auch Arbeitsmöglichkeiten für Schüler- und Studentengruppen gebe.