Von Rudi Bartlitz

Zeitz/Magdeburg. Es ist ein unfassbarer Vorgang, wie es ihn in Sachsen-Anhalts Fußball in dieser Form noch nicht gegeben hat: Mannschaft, Vorstand und Betreuer des 1. FC Zeitz sind mit Mord bedroht worden.

Was war passiert?

Die Fakten: Am Montag- abend, so sagten Vertreter der Vereinsführung des Landesklasse-Teams gestern zur Volksstimme, wurde im Briefkasten des 1. FC Zeitz im Ernst-Thälmann-Stadion ein anonymer Brief gefunden. In dem handschriftlichen Schreiben wird der Vereinsvorsitzende Andreas Schwager zum Rücktritt aufgefordert, der Trainer kritisiert.

Aber es kommt noch viel schlimmer: Von der Mannschaft des Achtligisten aus dem Burgenlandkreis verlangt der Schreiber sofortige Erfolge. Sonst, so seine unverhohlene Drohung, werde bei einer Niederlage der jeweils schlechteste Spieler getötet.

Am Dienstag berät der Vorstand über den ungeheuren Vorgang und stellt bei der Polizei Strafanzeige gegen Unbekannt. Am darauffolgenden Tag wird die Mannschaft davon in Kenntnis gesetzt.

Bei den Spielern des derzeit Tabellensechsten herrscht zunächst größtenteils lähmendes Entsetzen. Angst macht sich breit. Manche, so berichten Augenzeugen, wollen zunächst gar nicht glauben, was da passiert ist. "Das ist eine sehr, sehr ernste Situation", sagte gestern Axel Thamm, der 2. Vorsitzende. "Ein Teil unserer Spieler sind Familienväter. Die haben Verantwortung beispielsweise gegenüber ihren Kindern."

Dann am Mittwochabend die einhellige Entscheidung des Vorstandes und der Mannschaft: Das Training wird zunächst einmal ausgesetzt, das Landesklassen-Punktspiel am Wochenende gegen SV Großgrimma abgesagt.

Fassungslosigkeit auch beim Präsidenten des Fußball-Landesverbandes, Werner Georg. "Das ist unglaublich, so etwas habe ich noch nicht erlebt", erklärte er gestern. "Wir haben natürlich der Spielabsage zugestimmt und den Vorfall an die zuständigen Stellen des DFB nach Frankfurt weitergemeldet.

Georg fällt es sichtlich schwer, die Situation einzuordnen: "Wir warten jetzt darauf, dass uns die Polizei kontaktiert und müssen dann Lösungen für die Zukunft finden."

Beim 1. FC Zeitz, der einst unter dem Namen Chemie in seinen besten Zeiten sogar in der DDR-Oberliga spielte, will man unterdessen das Wochenende nutzen, "die Köpfe wieder freizubekommen" und am Montag das Training wieder aufnehmen. Vize-Vorsitzender Thamm: "Wir sind Fußballer mit Leib und Seele. Wir wollen auf jeden Fall weitermachen."

Die Polizei arbeitet seit mehreren Tagen an dem Fall. "Wir nehmen das sehr ernst", sagte der Sprecher des Burgenlandreviers, Jörg Bethmann, auf Volksstimme-Anfrage. "Wir sehen es als echte Bedrohung an." Durch kriminaltechnische Untersuchungen des Briefes wird derzeit versucht, den Schreiber zu ermitteln. "Hier handelt es sich nicht um einen Dumme-Jungen-Streich und auch nicht um eine Ordnungswidrigkeit, sondern um eine Straftat."

Die Polizei hat "Gefahrenabwehrmaßnahmen" (Bethmann) eingeleitet. Den Betroffenen werden Hinweise gegeben, die "Drohung zwar ernst zu nehmen, aber nicht in Hysterie zu verfallen". Als bedenklich sieht es die Behörde zudem an, dass derartige Vorfälle kleinen Vereinen besonders zu schaffen machen.

Auch wenn über den Täter noch nichts bekannt ist, verdichtete sich gestern sowohl bei der Polizei als auch beim FC der Verdacht, dass es sich um eine Person aus dem Umfeld des Vereins handeln könnte.