Am morgigen Sonntag wird es richtig spannend: Dann wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Gut zwei Millionen Menschen sind zur Stimmabgabe aufgerufen. 13 Parteien stellen sich dem Votum der Wähler.

Magdeburg. Der Landtagswahlkampf hatte in den zurückliegenden Wochen an Fahrt gewonnen. Lange Zeit deutete vieles auf eine Fortsetzung der CDU/SPD-Koalition hin. Doch plötzlich ist auch ein rot-rotes Bündnis eine realistische Option. Fragt man die Sachsen-Anhalter, scheint der Fall klar zu sein: 43 Prozent plädierten zuletzt für Schwarz-Rot, nur 27 Prozent fänden eine rot-rote Koalition gut.

Es ist in diesen Tagen viel die Rede von einer "Richtungsentscheidung", manch einer spricht sogar von einer "Schicksalswahl". Der Erregungspegel bei den Spitzenpolitikern ist zuletzt deutlich gestiegen.

Sicher ist derzeit nur, dass Sachsen-Anhalt einen neuen Ministerpräsidenten bekommt. Der populäre Wolfgang Böhmer (75, CDU), der seit 2002 im Amt ist, tritt nicht noch einmal an. Um seine Nachfolge bewerben sich Reiner Haseloff (CDU, 57), Jens Bullerjahn (SPD, 48) und Wulf Gallert (Linke, 47).

Die Allianz von CDU und SPD besteht seit fünf Jahren und hat ohne allzu große Reibereien solide gearbeitet. Selbst im Wahlkampf kuschelten die Koalitionäre miteinander, obwohl beide Parteien vor allem in der Wirtschafts- und Bildungspolitik (etwa Mindestlohn oder längeres gemeinsames Lernen) auseinanderliegen.

Erst im Wahlkampf-Endspurt wurde der Ton zwischen CDU und SPD schärfer. So schlug SPD-Spitzenkandidat Bullerjahn eine härtere Gangart ein. Als die Sozialdemokraten nach einer Aufholjagd in den Umfragen plötzlich gleichauf mit der Linkspartei lagen, attackierte Bullerjahn Haseloff und warf ihm vor, eine Rote-Socken-Kampagne anzuzetteln.

Sehr verärgert reagierte der SPD-Spitzenmann auch auf ein finanziell nicht untersetztes Zehn-Punkte-Programm Haseloffs, in dem etwa mehr Geld für die Polizei gefordert wird.

Wie viele Sachsen-Anhalter werden zur Landtagswahl gehen? 2006 fiel die Beteiligung mit 44,4 Prozent so gering aus wie bei keiner anderen Landtagswahl in Deutschland. In allen Parteien herrscht die Sorge, dass morgen noch weniger Menschen zur Wahl gehen könnten. Das würde den Einzug der rechtsextremen NPD in den Landtag erleichtern. Diese lag zuletzt in Umfragen bei fünf Prozent.

Am Donnerstag hatten die Spitzenkandidaten aller großen Parteien in einer gemeinsamen Erklärung eindringlich vor der NPD gewarnt.

Bei der Landtagswahl 2006 war die CDU auf 36,2 Prozent der Stimmen gekommen, gefolgt von der Linken (24,1 Prozent) und der SPD (21,4 Prozent). Die FDP erreichte 6,7 Prozent.

Die neue Wahlperiode geht über fünf Jahre, sie endet also 2016. Die Seite Drei