Magdeburg. Autos kommunizieren miteinander, im Hafen bewegen sich Container selbständig an den richtigen Ort und beim Transport von Lebensmitteln kann zu jedem Zeitpunkt überprüft werden, ob sie noch frisch sind. All das ermöglicht die Satellitennavigation – eine Technologie, die für den Magdeburger Geografen Andreas Müller weit mehr umfasst als Navigationsgeräte für Autos und bald den gesamten Alltag durchdringen werde.

"Das geht schon morgens vor dem Weg zur Arbeit los", sagt der Vorsitzende des Vereins Satelliten-Navigation Sachsen-Anhalt (SANASA). "Im Radio hört man von einem Stau auf der Hauptverkehrsstraße. Aber man erfährt nichts darüber, wie es auf den Ausweichstrecken aussieht." Solche Informationen könnten künftig die Fahrzeuge selbst liefern, indem sie über Funksignale Kontakt zu anderen Fahrzeugen aufnehmen, die im Stau stehen.

Mobilitätsleitsysteme, die Verkehrsströme lenken, nennt Müller "die Herausforderungen der Zukunft". "Der Verkehr nimmt zu, die Zahl der Straßen aber nicht." Mit seinem Verein will er Anwendungen für die Satellitennavigation ausloten und diesbezügliche Aktivitäten fördern.

Hintergrund ist das europäische Satellitennavigationssystem Galileo. Es wurde von der Europäischen Union und der Europäischen Weltraumorganisation ESA konzipiert, um Europa unabhängig von den militärisch kontrollierten Systemen GPS aus den USA und GLONASS aus Russland zu machen. Galileo soll 2016 mit dann 30 Satelliten im All fertiggestellt sein. Gegenwärtig sichern zwei Testsatelliten die Position im Weltraum.

In Magdeburg gibt es seit einem Jahr ein von der Universität betriebenes Galileo-Testfeld. Dort werden die Technologien Ortung, Navigation und Kommunikation erprobt. "Das sind die Technologien der Zukunft", sagt Müller, der im Testfeld für die Koordination zuständig ist. Neben Anwendungen im Verkehrs- und Logistikbereich geht es in Magdeburg vor allem um Dienstleistungen, etwa den Transport von Paketen. Müller kann es sich vorstellen, dass in naher Zukunft alle Pakete mit Mikrochips versehen werden, durch die sie sich jederzeit orten lassen. Das Gleiche gilt für Koffer oder Warencontainer. Die Technologie ermöglicht es auch, komplette Lkw-Ladungen im Vorbeifahren zu erfassen.

Anwendungen für die Satellitennavigation sieht Müller auch in der Landwirtschaft und im Umweltschutz. So sei es denkbar, dass Landwirtschaftsmaschinen künftig allein satellitengesteuert Äcker pflügen und düngen. Bereits heute können Satelliten Emissionsherde und kontaminierte Gebiete aufspüren und überwachen.

Dem Geografen und seinem Verein geht es darum, Wirtschaft und Forschung in Sachsen-Anhalt für Anwendungen des europäischen Satellitennavigationssystems zu begeistern und das Galileo-Testfeld als Kompetenzzentrum zu etablieren.