Haldensleben (jk). Auf für Mitteleuropa ungewöhnliche Funde sind Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt am Dammühlenweg in Haldensleben (Landkreis Börde) gestoßen. Seit dem Beginn der Grabungen im April des vergangenen Jahres wurden zahlreiche Reste einer Siedlung freigelegt, darunter auch Hausgrundrisse.

"Die Häuser sind nicht wie in dieser Region üblich in den Erdboden eingegraben", erklärte Torsten Wagner, der Grabungsleiter. Diese Bauweise sei in der Bronze- beziehungsweise frühen Eisenzeit vorrangig in Skandinavien anzutreffen, ergänzte Projektleiterin Susanne Friederich. "Die Ergebnisse der vergangenen Grabungswochen erhärten den Verdacht, dass diese Siedlung vor etwa 2800 Jahren keineswegs nur ein kleines Bauerndorf, sondern eher eine prosperierende Handwerkersiedlung mit weitreichenden Handelskontakten vornehmlich nach Nordeuropa war", stellte Friederich weitere Erkenntnisse vor.

Auch ungewöhnliche Fundstücke sind in Haldensleben entdeckt worden. Dazu zählen Gusstiegel für die Bronzeverarbeitung, Bronzeschmuck und Geweihgeräte wie eine mit Ornamenten verzierte Geweihaxt.

Die Archäologen wollen nun untersuchen, ob es zwischen dieser Siedlung und der etwa 800 Meter entfernten Siedlung, die im Haldensleber Gewerbegebiet Südhafen entdeckt wurde, Kontakte gegeben habe. Dort war im vergangenen Jahr eine Begräbnisstätte entdeckt worden, die reichhaltige Beigaben aus Gold, Silber und Bronze enthielt.

Auch am Dammühlenweg haben die Archäologen – zum Teil waren 40 Mitarbeiter gleichzeitig vor Ort – weitere Begräbnisstätten mit den Skeletten eines Kindes und eines Erwachsenen entdeckt. Sie sollen nun im Landesamt in Halle untersucht werden.