Magdeburg erlebte in der Nacht zum Sonntag einen der größten Skandale in der Geschichte des deutschen Berufsboxens. Beim WM-Kampf gegen Lokalmatador Robert Stieglitz rastete Herausforderer Khoren Gevor nach der Disqualifikation total aus und schlug wild um sich. Im Ring kam es zu tumultartigen Szenen.

Magdeburg. Nachdem der Kampf im WBO-Supermittelgewicht gegen Titelverteidiger Stieglitz vor 5000 Zuschauern in der Bördelandhalle wegen absichtlichen Kopfstoßes des Armeniers in der 10. Runde abgebrochen worden war, drehte Gevor durch. Ein Dutzend Sicherheitskräfte und Ordner mühten sich mit aller Kraft, den tobenden Ex-Europameister unter Kontrolle zu bringen.

"In Khoren ist in dem Moment ausgebrochen, was sich in all den Jahren mit vielen Fehlentscheidungen gegen ihn angestaut hat. Aber das entschuldigt sein Verhalten natürlich nicht", versuchte Manager Peter Schulze das Handeln seines Schützlings zu erklären.

Der im Kampfverlauf immer unsauberer boxende Herausforderer verpasste Stieglitz mehrere Kopfstöße. "Der in der zehnten Runde war pure Absicht", sagte der Magdeburger, der zum Zeitpunkt des Kampfabbruches deutlich in Führung lag.

Die Laufbahn des 31-jährigen Gevor dürfte nach diesem Eklat – er randalierte anschließend auch noch in seiner Kabine – beendet sein. "Der Mann gehört lebenslang gesperrt. Dafür werde ich sorgen", sagte Jean-Marcel Nartz, der für den Kampf angesetzte technische Delegierte des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB).

Auch Stieglitz-Trainer Dirk Dzemski forderte, Gevor für immer aus dem Verkehr zu ziehen: "Ich glaube nicht, dass man diesem Sportler noch eine zweite Chance geben sollte."

Ex-Schwergewichtler Axel Schulz und viele der im Schnitt 3,26 Millionen Fernsehszuschauer sahen sich an legendäre Ausraster eines Mike Tyson erinnert. "Der Kampf ist Gevor irgendwann aus den Händen geglitten, und dann ist er durchgedreht", sagte Sat.1-Experte Schulz.