Der Vorstand des Landesfeuerwehrverbands e. V. Sachsen-Anhalt ist gestern Abend in Heyrothsberge bei Magdeburg zusammengekommen, um nach monatlelangen Querelen einen Neuanfang zu versuchen. Die Arbeit des Vereins mit rund 60000 Mitgliedern ist durch finanzielle Ungereimtheiten und einen stark kritisierten Leitungsstil geprägt. Wer demnächst die Geschicke des LFV lenken wird, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Magdeburg. Immer häufiger war in den vergangenen Monaten der Führungsstil von Hans-Ulrich Schlegel, Landeschef des Feuerwehrverbandes Sachsen-Anhalt, in die Kritik geraten. Doch scheinen seine "überheblichen Alleingänge" – wie es viele Mitglieder nennen – nur der Gipfel des Eisbergs zu sein. Besonders in finanzieller Hinsicht hat es – und das schon unter dem vorherigen Vorstand – immer wieder Probleme gegeben.

Grundübel dürfte die Struktur des Verbandes sein, meint so auch Hans-Werner Ober-thür. Der Feuerwehrmann aus Völpke im Bördekreis war bis zur Landesdelegiertenkonferenz am 2. April dieses Jahres einer der zwei Stellvertreter Schlegels und zuständig für Personal und Soziales.

"Es gibt schon seit mehreren Jahren keinen Kassenwart und keine ordentliche Buchführung mehr. Das geht bei einem Verein mit 47000 aktiven Mitgliederen und etwa 13000 Alters- und Ehrenmitgliedern einfach nicht", sagt Oberthühr. Die Folge sei eine "nachlässige Haushaltsführung". Der Vorsitzende habe sich letztlich allein um die Finanzen gekümmert und somit "selbst kontrolliert".

Das habe zu einer völlig un-übersichtlichen Finanzlage geführt. Bis zu dem "Höhepunkt", dass 2010 rund 17000 Euro an Fördermitteln ans Land zurückgezahlt werden mussten. 2008 und 2009 waren Gelder für drei große Kinder- und Jugendprojekte nicht nach Vorschrift abgerechnet worden.

Nach Volksstimme-Informationen ging es dabei unter anderem um Ausbildungsmaterialien für die Kinder- und Jugendfeuerwehren des Landes sowie den sogenannten Schlauchstaffel-Lauf, ein Werbeprojekt, das Kinder und Jugendliche ansprechen und sie für die Feuerwehr interessieren soll.

Die fehlende Kassenaufsicht dürfte auch der Grund dafür sein, dass bei der jüngsten Delegiertenkonferenz kein Haushaltsbericht vorgelegt wurde. Oberthür: "Es hat allerdings eine Kassenprüfung und auch einen schriftlichen Bericht gegeben." Warum dieses Dokument jedoch nicht verlesen wurde, kann sich auch das Ex-Vorstandsmitglied nicht erkären.

Dass der eingetragene Verein beinahe über die Steuer gestürzt wäre, ist inzwischen ebenfalls kein Geheimnis mehr. Die letzte Jahressteuererklärung stamme aus 2005 oder 2006. Nur mit vielen guten Worten sei der Verband an Sanktionen vorbeigeschlittert, heißt es aus dem Vorstand.

Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, liegt der Staatsanwaltschaft Magdeburg seit Anfang vergangener Woche nun auch noch eine anonyme Anzeige gegen den LFV-Vorsitzenden und einen Stellvertreter vor. Das bestätigte Behördensprecherin Silvia Niemann gestern der Volksstimme.

Mitgliedsbeiträge sollen nicht ordnungsgemäß verwendet worden sein. Und Mitgliedern seien Repressalien angekündigt worden, sollten sie in der Öffentlichkeit über die Querelen des Verbandes auspacken.

Zu den schärfsten Kritikern des Führungsstils Schlegels gehört Karlheinz Schwerin, Kreisvorsitzender des Stendaler Feuerwehrverbandes. Der Landesvorsitzende sehe sich als "Heilsbringer". Und viele Kameraden hätten beim Wechsel vom alten Landesvorsitzenden Ingolf Hirsch zum neuen, Hans-Ulrich Schlegel, auch wirklich geglaubt, dass es mit der Verbandsarbeit nun wieder aufwärts gehen würde. Denn, so Schwerin, "rund dreieinhalb Jahre hat es keine ordentliche Tätigkeit gegeben". Vielmehr sei sogar versucht worden, "einen Keil zwischen Männer- und Jugendbereich zu treiben".

In Bezug auf Schlegel wird Oberthür noch deutlicher: "Das Verhalten des geschäftsführenden Vorsitzenden gegenüber den Kameraden ist untragbar. Zudem habe er auch nach außen dem Verband, der einer der größten Vereine Sachsen-Anhalts ist, geschadet. Förderer wie die ÖSA-Versicherung hätten sich seinetwegen deutlich zurückgezogen.

Mit Blick auf die außerordentliche Vorstandssitzung gestern Abend orakelte Ober-thür: "Wer auch am Dienstag an der Spitze des Verbandes stehen wird – Schlegel wird es wohl nicht mehr sein." Wichtig sei es nun, die "inneren Abläufe im Vorstand" zu überprüfen. Es könne nicht sein, dass Vorsitzender und Stellvertreter nur zusammen telefonierten. Und dass der geschäftsführende Vorsitzende etwas im stillen Kämmerlein ausbrüte und alle anderen dann nur abnickten.

Der Völpker mahnte an, dass sich der geschäftsführende Vorstand zweimal im Monat, der gesamte Vorstand einmal im Monat zusammensetzen sollte.

Oberthür bedauert, dass sich der Verband seit Jahren nicht mehr um wichtige Themen kümmert, die Probleme der Feuerwehrleute anspricht und "keine positive Ausstrahlung hat". "Der Verband kreißt nur um sich selbst. Ich werde häufig von Kameraden gefragt: Was bringt mir eine Mitgliedschaft überhaupt noch?" Meinung

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