Die Geschichte von Sachsen-Anhalt hat eine neue Adresse: Magdeburg, Brückstraße. Hier entstand nach mehrjähriger Bauzeit das neue Landeshauptarchiv. Am Montag werden zum ersten Mal Benutzer den modernen Lesesaal bevölkern können. Zuvor lädt das Hauptarchiv morgen zu einem Tag der offenen Tür ein.

Magdeburg. Das Gebäude im Magdeburger Osten, in dem jetzt das Hauptarchiv seine Arbeit aufnimmt, blickt auf eine militärische Vergangenheit zurück: 1899 Artillerie-Kaserne der preußischen Armee, ab 1945 von der Sowjetarmee übernommen. Nach deren Abzug stand es leer und bot wie das gesamte Areal keinen schönen Anblick. Verschiedene Landesministerien zogen in die Nachbarschaft. Das Landeshauptarchiv schließt nun die letzte Lücke.

Bislang residierte das Landeshauptarchiv in einem altehrwürdigen, aber für diesen Zweck ungeeigneten Prachtbau im Stadtzentrum. Mit dem Umzug in die Brückstraße ändert sich das nun. "Besucher bekommen bessere Arbeitsbedingungen, und die Dokumente werden jetzt klimatechnisch unter sehr guten Bedingungen gelagert", freut sich Archivleiterin Ulrike Höroldt. Für 24 Millionen Euro wurde nicht nur das Kasernengebäude saniert, sondern auch ein bunkerartiger Neubau errichtet, das eigentliche Archiv.

Im Altbau sind die Verwaltung, ein Konferenzsaal, ein technisch modern ausgestatteter Lesesaal (28 Aktenplätze, vier Kartenplätze) und ein Klassenzimmer für archivpädagogische Arbeiten untergebracht. "Gerade diese Arbeitsbereiche standen uns bislang nur unzureichend zur Verfügung", freut sich Archivleiterin Höroldt. Der Neubau sieht nicht nur aus wie ein Bunker, er ist auch einer. Die schwarze, mit Quadraten strukturierte Fassade ist fensterlos. Der Zugang erfolgt vom Altbau aus streng gesichert über Panzertüren. Schließlich beherbergt das Archiv unter anderem die größte Sammlung von Kaiser-Otto-Dokumenten (10. Jahrhundert) außerhalb Italiens.

Dieser Archivbau wird allein über seine dicken Wände und die im inneren verbauten Materialien passiv klimatisiert. Egal ob Sommer oder Winter: Hier herrschen bei gleichbleibender Luftfeuchtigkeit stetig 16 bis 18 Grad Celsius. Im Inneren des Bunkers sieht es nüchtern aus. Metallregale bis zu den niedrigen Decken, in denen Rollen und Kartons lagern. Höroldt: "Der Archiveinsturz in Köln hat gezeigt, dass solche Kartons ihren Zweck sehr gut erfüllen." Allerdings sind das keine Schuhkartons, sondern spezielle Anfertigungen: ohne Metall, säurefrei, basisch geprüft. 60 000 Stück hat das Archiv in der jüngeren Vergangenheit angeschafft. Stückpreis: 2,50 Euro.

12 Kilometer Akten hatte das alte Archiv, nun sind es 25 Kilometer. 130 Prozent mehr Kapazität auf nur 50 Prozent Fläche des alten Archivs. 37 Mitarbeiter sind in der Magdeburger Brückstraße beschäftigt. Insgesamt arbeiten beim Landeshauptarchiv mit Außenstellen in Dessau, Merseburg und Wernigerode 75 Mitarbeiter.

Aus Halle kommt Christine Bergmann. Die Künstlerin erhielt den Auftrag, den nüchternen Archivneubau künstlerisch "aufzumuntern". Die Künstlerin bildet Buchstaben und Wörter ab auf Stelen und Wänden. Das tat sie sehr gelungen mit grafischen Schrift-Spielereien, die allesamt auf alte Akten zurückgehen, die "ich alle studiert habe", wie sie schmunzelnd versichert.

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