Von Marc Rath

Salzwedel/Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt vorerst nicht nach Salzwedel. Oberbürgermeisterin Sabine Danicke hatte der Regierungschefin Anfang April geschrieben, sich "erstaunt über Ihre in den Medien veröffentlichten Äußerungen zur Entwicklung unserer Stadt" gezeigt und zu einer "Stippvisite auf unserem Kleinen Hansefest vom 3. bis 5. Juni" eingeladen. Die CDU-Vorsitzende hatte im März in mehreren Wahlkampfreden in Baden-Württemberg Salzwedel als Schreckensbild der "Dagegen-Republik" skizziert. Die einstige mittelalterliche Wirtschaftsmetropole habe "heute den Anschluss verpasst", sagte die Kanzlerin mit Verweis auf eine Mehrheit von Linken, Grünen und SPD im Stadtrat. (Volksstimme berichtete).

Danicke wollte Merkel nun für ihre Stadt begeistern und prophezeite ihr: "Sie werden es nicht bereuen und merken, wie beharrlich, zäh, standhaft und grundehrlich die Altmärker sind." Die Salzwedeler hätten "den Kopf nie in den Sand gesteckt". Ihren Zeilen hatte Danicke ihr Neujahrsgrußwort "mit allen Bilanzen" beigelegt: "Vielleicht besuchen Sie ja einmal eine parteilose Oberbürgermeisterin?"

"Der Terminkalender der Bundeskanzlerin lässt keinen Spielraum für einen Besuch des Hansefestes in Ihrer Stadt. Bitte haben Sie dafür Verständnis", heißt es in dem Antwortschreiben aus dem Bundeskanzleramt. Auf die umstrit- tenen Äußerungen geht Merkels Referentin Sylvie Reichel indes nicht näher ein. Nur soviel: Die Bundeskanzlerin habe "Ihr beherztes Engagement für die Hansestadt zur Kenntnis genommen".

Es ist der zweite Versuch der Oberbürgermeisterin, die Bundeskanzlerin in die Hansestadt zu locken. Danicke hatte voriges Jahr eine Einladung zum Salzwedeler Neujahrsempfang ausgesprochen. Hätte Merkel diesen Termin wahrnehmen können, wäre in ihrer Wahlkampfrede "manches Wort nicht gefallen", merkt sie in ihrem Brief an.

Salzwedels Stadtoberhaupt will aber nicht aufgeben: "Ich werde Frau Merkel gerne wieder einladen und freue mich, wenn es dann einmal klappt."