Magdeburg/Halle (dpa). Die große Inventur hat begonnen: Wie viele Sachsen-Anhalter gibt es wirklich? Das und vieles mehr soll mit dem Zensus 2011 geklärt werden. Die Antworten lassen bis Ende 2012 auf sich warten.

In Sachsen-Anhalt ist die erste gesamtdeutsche Volksbefragung gut gestartet. "Wir bekommen zwar viele Anrufe, aber meist sind es positive, wenn Menschen noch Fragen an uns haben", sagte der Präsident des Statistischen Landesamtes, Manfred Scherschinski, gestern in Halle.

Es seien die ersten von 700000 Briefen zur Gebäude- und Wohnungszählung an die Eigentümer verschickt worden. Damit soll zum Beispiel geklärt werden, um welche Art des Gebäudes es sich handelt, wie geheizt wird und ob es eine Badewanne oder eine Dusche gibt.

Zudem werden rund 2400 Interviewer in den nächsten drei Monaten in den Haushalten nachfragen, sagte Scherschinski. "Da wird eine zehnprozentige Stichprobe gezogen." Bis Ende Juli werden die Interviewer landesweit an 240000 Türen klingeln.

Die Teilnahme am Zensus ist Pflicht. Wer sich weigert, muss mit einem Zwangsgeld von 300 Euro rechnen. "Wir hoffen, dass wir davon nicht Gebrauch machen müssen. Wer die Fragen schnell beantwortet haben will, der sollte den Fragebogen mit dem Interviewer ausfüllen, das geht meist einfacher", sagte Scherschinski. Fragen werden zum Beispiel zur Staatsangehörigkeit, zum Familienstand und zu Bildungsabschlüssen gestellt.

Fragen zum Einkommen seien in dem Fragebogen tabu. "Das geht uns in dem Fall nichts an", sagte der Behördenchef. Es werde auch nicht danach gefragt, ob jemand arbeitslos ist. Die bei der Volkszählung erhobenen Daten sind beispielsweise wichtig für Finanzzuweisungen an die Kommunen und den Länderfinanzausgleich.

Erste Ergebnisse sollen Ende des nächsten Jahres vorliegen. "Dann schlägt die Stunde der Wahrheit", sagte Scherschinski. "Es kann sein, dass wir dann noch weniger Einwohner haben in Sachsen-Anhalt." Grund für diese Annahme sei, dass man sich nicht in Sachsen-Anhalt abmelden müsse, wenn man das Land verlasse. In anderen Bundesländern sei dies anders geregelt.

Bekannt ist laut Landesamt, dass etwa eine Million Menschen das Land seit 1990 verlassen haben, darunter viele junge Frauen. Laut Statistik hat Sachsen-Anhalt rund 2,3 Millionen Einwohner. Letztmalig gab es in Ostdeutschland 1981 eine Volkszählung, in der Bundesrepublik 1987.