Wolmirsleben. Der umstrittene neue Eigentümer des Erholungsgebiets Großer Wolmirsleber Schachtsee (Salzlandkreis) hat sich am Sonnabend den Campern vorgestellt. Der Anfang der 1990-er Jahre als "Pate von Leipzig" berüchtigt gewordene Joachim Nöske kam mit seinem Konzept an und wurde mit Beifall bedacht.

"Man soll die Vergangenheit ruhen lassen", sagte "Mausi" Gliencke Sonnabendmittag. Und sie drückte nach der kurzen Antrittsrede des neuen Campingplatz-, Gastronomie- und Seebad-Besitzers Joachim Nöske aus Leipzig die Meinung der Mehrheit aus. Nöske war in den1990-er Jahren von den Ermittlungsbehörden der sächsischen Metropole als "Schlüsselfigur der Unterwelt" bezeichnet worden.

Auf die Vorstrafe des 58-Jährigen angesprochen, meinte die Dauercamperin dann auch nur: "Jeder hat wohl schwarze Flecken auf der Weste."

Nachdem in der vergangenen Woche bekannt geworden war, wer den Zuschlag für das traditionelle Erholungsgebiet bei Egeln bekommen soll, hatte es noch ganz andere Reaktionen gegeben. Das Vorleben einschließlich der Vorstrafe von dreieinhalb Jahren Nöskes hatten viele Camper verunsichert.

Doch am Sonnabend bei Freigetränken und Gehacktesbrötchen, gesponsert vom "Neuen", überwog letztlich das Aufatmen bei den mehr als 150 Campern darüber, dass die Hängepartie des von der Verbandsgemeinde zwar "geschätzten" (Bürgermeister Michael Stöhr), aber nicht bezahlbaren Objektes ein Ende hat.

Annedore und Jürgen Scharrmann, die seit 1977 am Schachtsee campen, haben auch "keinerlei Probleme" mit dem Sachsen. "Was er vorher gemacht hat, interessiert uns nicht." Nur noch wenige fragten am Rande des Treffens, ob es nicht jemanden gegeben hätte, dessen Biografie "nicht ganz so unseriös" ist.

Wer allerdings darauf gewartet hatte, dass sich der Leipziger zu seiner Person äußert, wurde enttäuscht. Der Mann mit Goldkettchen beschränkte sich auf wenige Worte: "Mir gefällt es hier. Die Jahrespacht beträgt 700 Euro plus 50 Euro Nebenkosten. Jeder kann sich so viel Land nehmen wie er will. Desto weniger haben wir sauberzuhalten." In dieser Woche werde mit den Aufräumungsarbeiten begonnen (Das Gelände hatte das schlimmste Hochwasser der letzten Jahrzehnte erlebt). Diese Ankündigung erwärmte die Herzen der Anwesenden: Beifall.

"Und nun trinkt, esst und seid nett zueinander!", stand der "Kneipenkönig von Leipzig" auf, nachdem er sein Team vorgestellt hatte. Der Satz: "Ich liebe alles Schöne im Leben", eroberte die Herzen der gebeutelten Camper: "Bravo!"

Fragen wollte Nöske allerdings nicht beantworten: "Wir machen jetzt Schluss hier!"

Und die Lebensgefährtin des Neueigentümers, die wie sie sagte, "Ansprechpartnerin für alle Fragen ist", schob nach: "Wir wollen heute Geselligkeit und keine schlechte Stimmung. Lasst uns nicht über alte Sachen reden."

War der Bierstand mit Nöske schnell umlagert, entlud sich der Unmut gegen Verbandsbürgermeister Stöhr. Ihm wurde vorgeworfen, kein Herz für das "Schmuckstück" zu haben.

Willi Ritschel, der von 1994 bis 2004 als Bademeister am See Arbeit hatte, sagte, dass er schon immer dafür gewesen sei, das Objekt zu privatisieren. "Mit Herrn Nöske wird es hier aufwärts gehen", ist er sich sicher. Auch für ihn selbst. Der neue Besitzer hat ihn als Teilzeitkraft eingestellt.

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