George Jaunzemis hat seit seinem 35. Lebensjahr intensiv nach seinen familiären Wurzeln und seiner wahren Identität gesucht. Der Lette war 1941 in den Wirren des Zweiten Weltkrieges geboren und nach Kriegsende von seiner leiblichen Mutter getrennt worden. Mit Hilfe des Suchdienstes ITS fand er Antworten und Familienangehörige in Magdeburg. Es war ein bewegender Augenblick, als er gestern zum ersten Mal seine Cousins traf.

Magdeburg. George Jaunzemis wurde am 29. Oktober 1941 unter dem Namen Peter Thomas in Groß-Ottersleben bei Magdeburg geboren, so das Ergebnis der Recherche des Suchdienstes. Seine Mutter Gertrud heiratete hier unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges den Belgier Albert van der Velde, der wahrscheinlich als Zwangsarbeiter in Deutschland war. George Jaunzemis hat also deutsche Wurzeln. Damals nahm van der Velde den kleinen Peter als sein eigenes Kind an und ging mit Mutter und Kind nach Belgien. Laut den Unterlagen kam Mutter Gertrud als illegal eingereiste Deutsche zunächst für drei Monate in ein Internierungslager. Dabei wurden Mutter und Kind getrennt.

Nach ihrer Freilassung suchte Mutter Gertrud mit ihrem Mann jahrelang vergeblich nach dem Kind. Eine Lettin, Anna Rause, später Jaunzemis, hatte sich des Kindes angenommen, nannte es George und zog mit ihm nach Deutschland.

Nach Aufenthalten in Flüchtlingslagern in Lübeck und München wanderte sie 1949 mit dem Kind nach Neuseeland aus. Hier lebte George Jaunzemis bis zum Jahr 2000, als er zu seiner Frau Vija nach Riga in Lettland zog. Dort leben die beiden seitdem.

Dank des Suchdienstes ITS hat George Jaunzemis seine Herkunft herausgefunden und nahe Verwandte ausfindig gemacht: in Magdeburg. Die Magdeburger Verwandtschaft, die Cousins – der 77-jährige Gerd Sumpmann und der 69-jährige Joachim Sumpmann – lernte Georg Jaunzemis jetzt nach 66 Jahren beim Besuch in der Landeshauptstadt kennen.

"Ich bin sprachlos, weiß nicht wirklich, was ich sagen soll", so Jaunzemis tief ergriffen gestern auf einer Pressekonferenz im Magdeburger Rathaus. Cousin Gerd Sumpmann, nicht weniger gerührt, sagte: "Es ist nicht zu fassen, unsere Mutter Erna hatte ihr Leben lang gesucht." Cousin Joachim Sumpmann stimmte zu: "Es hätte keiner für möglich gehalten, dass wir ihn wiedersehen."

Gerd und Joachim Sumpmann wollten ihrem Cousin George Jaunzemis und seiner Frau Vija in den verbliebenen Stunden des Aufenthalts seinen Geburtsort zeigen, ehe sich die beiden schon heute wieder auf die Heimreise in die lettische Hauptstadt Riga aufmachen. Sachsen-Anhalt I